Neue Sonderausstellung zu Schlesiens Bergbau eröffnet

15. Oktober 2012 Zugriffe: 8156 Geschrieben von Peters-Schildgen
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Sonderausstellung Schlesiens BergbauGroßen Zuspruch schon bei der Eröffnung fand die neue Sonderausstellung "Von Leistung, Leid und Leidenschaft. Bergbau-Geschichten nicht nur aus Schlesien". Mit „Glück Auf! Der Steiger kommt“ wurde diese große Schau durch das Oberschlesische Blasorchester am Sonntag, dem 14. Oktober, in Ratingen eröffnet.

Zuerst begrüßte Museumsdirektor Dr. Stephan Kaiser die rund 150 Gäste. Besonders den Bergleuten und den eigens aus Polen angereisten Gästen galt sein Gruß. Bogusław Szyguła von der Bergbautraditionsstube Knurow, Krzysztof Stryczek von der Stadtverwaltung Knurow und Ludomir Wiśniewski von der Hindenburger Technischen Gesellschaft haben viel Wissen und Objekte in diese Ausstellung eingebracht. Wie alle Besucher der Eröffnung waren sie gern gesehene Gäste des Hauses. Mit fachmännischen "Glück Auf" setzte dann Paul Schläger, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Haus Oberschlesien, ein. Als Bergbauingenieur, ehemaliger Bergwerksleiter und gebürtiger Beuthener hatte er diesmal selbst eine traditionelle Berguniform angezogen. Den herzlichen Gruß wusste er sogleich zu erklären: Nicht nur die glückliche Rückkehr nach der Arbeit unter Tage sei damit gemeint, sondern der erhoffte „glückliche Aufschluss“ eines Erzgangs, das Aufschließen (Abbauen und Fördern) und der Gewinn. Schläger hatte auch die Ehre, ein Grußwort des Vizemarschalls der Woiwodschaft Schlesien vorzulesen. Dr. Jerzy Gorzelik wird erst in der zweiten Ausstellungswoche nach Ratingen kommen können. In seinem Brief hob er im Namen des Marschalls der Woiwodschaft Schlesien Adam Matusiewicz, als polnischem Schirmherren, die enge Zusammenarbeit des OSLM mit seinen Partnern in Schlesien hervor. Dazu biete die „Gemeinsame Erklärung“ von 2010, ein Kooperationsabkommen zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Woiwodschaft Schlesien, die Grundlage. Darum sei auch diese Ausstellung in deren Maßnahmenplan für 2012/13 selbstverständlich aufgenommen worden. In Schlesien sei man immer wieder erfreut und angetan, wie sehr gerade das OSLM dieses Abkommen belebe und bereichere. 

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Mit großem persönlichen Interesse war Staatssekretär Dr. Günther Horzetzky nach Ratingen gekommen. Er hat mütterlicherseits oberschlesische Familienbezüge sowie auch beruflich zum Bergbau sehr enge Kontakte. Als Vertreter des deutschen Schirmherrn der Ausstellung sprach er die Wünsche und Erwartungen des Ministers für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen Garrelt Duin aus. Solch eine Ausstellung sei wichtig, um in Zeiten des Umbruchs auf dem Energiesektor Spannbreite und Wahrnehmungsvielfalt des Bergbaus zu vergegenwärtigen und die Erinnerung zu pflegen. Nordrhein-Westfalen werde die Energiewende als energieintensivstes Bundesland aktiv mittragen und mitgestalten. Die Ablösung der Kohle als Primärenergieträger sei mit gravierenden Veränderungen verbunden.

Für die Stadt Ratingen waren wieder einmal die Stellvertretende Bürgermeisterin Anne Korzonnek und Dezernent Dirk Tratzig gekommen. Frau Korzonnek dankte dem Team des OSLM für diese erneut bemerkenswerte Ausstellung. So etwas in der Kürze der Umbauzeit zustande gebracht zu haben, das sei schon einzigartig. Natürlich freue sie sich, dass wieder so viele internationale Leihgaben, also erwartungsgemäß aus Polen und Tschechien, zur Verfügung gestellt wurden. Auf diese Weise unterstreiche das Museum seine Position als ein kultureller Mittelpunkt in der Stadt und mit überregionaler Strahlkraft auch weit darüber hinaus. Ratingen selbst hatte auch Bergbau aufzuweisen, erklärte die Bürgermeisterin dem Publikum. So stand bereits 1753 in Lintorf die erste funktionsfähige Dampfmaschine, um die Wasserkunst eines Bleibergwerks anzutreiben. In mehreren Bergwerken wurde neben Blei auch Alaunschiefer abgebaut, der u.a. zur Blaufärbung von Textilien, zur Herstellung von Medikamenten und in der zunehmend expandierenden Metallindustrie des Ruhrgebietes als Zuschlag bei der Verhüttung von Stahl Verwendung fand.

bergbau eroeffnung 3OSLM-Direktor Dr. Kaiser machte die Gäste schließlich mit den Inhalten und der Struktur der Ausstellung näher vertraut. Anders als beispielsweise im Ruhrgebiet gingen in Oberschlesien die Anfänge des Bergbaus vom Adel aus, der kleinsten Bevölkerungsgruppe mit dem meisten Grundbesitz. Er freute sich, die Familie der Grafen Ballestrem begrüßen zu dürfen, aus deren Besitz diese Ausstellung erneut wertvolle Dokumente präsentiert. Spannend sei die Lektüre solcher historischen Unterlagen allemal. Sie würden hier nicht nur ausgestellt, sondern auch sorgfältig studiert. Einer Personalakte aus dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz von 1787 könne man beispielsweise die genauen Beurteilungen der Bergfachleute entnehmen. Graf von Reden, Oberbergrat von Schlesien, hätte sich vergeblich gegen eine Beurteilung seiner Mitarbeiter gewandt, da deren Eifer, Fleiß und Loyalität hinreichend belegt sei. Es nutzte nichts sich gegen die Bürokratie zu stellen. Im Ergebnis haben wir heute detaillierte Namenskenntnisse und Bewertungen der damaligen leitenden schlesischen Bediensteten des Bergwesens vorliegen.

Die Ausstellung führt den Besucher von der geologischen Situation in Schlesien über die Frühzeit des Bergbaus und die Einführung der Dampfmaschine bis zu den heutigen Umstrukturierungen. Strukturelle Wegmarken und herausragende biographische Stationen werden mit seltenen Exponaten beleuchtet. So steht das schöne Kaffeeservice von Rudolf von Carnall für einen Berghauptmann, der erfolgreich im schlesischen Bergbau tätig war.
Die Ausstellung konzentriere sich auf den Bergbau im engeren Sinne und sei keine Hüttenkunde, führte Dr. Stephan Kaiser in seiner Einführung aus. "Es ist Zeit für diese Ausstellung", so der OSLM-Direktor. "Diese Schau reicht ins Jahr des 30jährigen Jubiläums des 1983 eröffneten Museums. Da ist es wichtig, die großen Themen Schlesiens zu betrachten. Mit hinreichend Expertise und dank der guten internationalen Kontakte können wir solch ein ambitioniertes Projekt angehen. Derartige umfassende Themenausstellungen sind stets ein Wagnis. Wir lernen bei der Vorbereitung und auch bei der Vermittlung. Darum ist der Sachverstand unserer Partner und Gäste ein wichtiger Faktor, den wir auch bei der Weitergabe als Wissensvermittlung immer wieder aufs Neue nutzbar machen wollen. Gleichwohl: Die großen Themen sind derartig mächtig, dass nur ein Ausschnitt dargestellt werden kann. Darum soll es mit industriegeschichtlichen und -kundlichen Themen kein Ende haben. Schlesien ist in solcher Hinsicht ein so spannendes Handlungsfeld, dass der Name eines Landesmuseums Verpflichtung und die Aufgabe eine herausfordernde wie chancenreiche ist".

Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung fanden anregende Fachgespräche wie auch gegenseitiges Erzählen unter den Besuchern statt. Und so kann auch das OSLM jetzt wieder eine einzigartige Objektfülle zeigen und die Ausstellungsmacher können sich sogleich den nächsten spannenden Aufgaben widmen.

Kommende Veranstaltungen

Auf den Spuren des "Kartoffelkönigs! - Friedrich II. und seine Geschichte(n)
Kinderferienprogramm
am Donnerstag und Freitag, 10. und 11. August um 13:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Baumeister gesucht! Baue deine eigene mittelalterliche Stadt
Kinderferienprogramm
am Donnerstag, 24. August um 13:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Öffentliche Führung durch die Sonderausstellung "Schlesische Bahnwelten"
am Sonntag, 27. August um 15 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Kontakt

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Oberschlesisches Landesmuseum
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40883 Ratingen (Hösel)

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