OSLM eröffnet neue Sonderausstellung zu den antinapoleonischen Befreiungskriegen

29. April 2013 Zugriffe: 8165 Geschrieben von Peters-Schildgen
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Historisches Erinnern in europäischen Dimensionen


Am vergangenen Sonntagnachmittag wurde im Oberschlesischen Landesmuseum die neue Sonderausstellung „Das Vaterland ist frey“! 200 Jahre antinapoleonische Befreiungskriege eröffnet. Trotz des schönen Wetter war das Interesse rege. Rund 100 Besucher waren nach Ratingen gekommen, um diese Schau zu sehen.

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OSLM-Direktor Dr. Stephan Kaiser begrüßte die Gäste und stimmte mit einem Überblick über die Aktivitäten im 200. Jubiläumsjahr der Befreiungskriege auf das neue Ausstellungsthema ein. Dass dies auch im Alltag allgegenwärtig ist, verdeutlichte er anhand der vielen Straßennamen. „Ob Blücher, Gneisenau- oder Yorckstraße all diese Straßennamen erinnern an die bewegte Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts.“

Weitere Grußworte sprachen Bundestagsabgeordneter Peter Beyer, NRW-Landtagsabgeordneter Werner Jostmeier, Ratingens Stellv. Bürgermeisterin Anne Korzonnek und MinRat Dr. Thomas Lindner vom BKM als Vertreter des Ausstellungsschirmherrn Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien.

beyer und kaiserDie „Wacht am Rhein“ als die antinapoleonische Freiheitshymne zitierte Peter Beyer in seinem Grußwort. 1840 von Max Schneckenburger gedichtet und 1854 von Carl Wilhelm vertont, sind Text und Noten auf dem Reliefsockel des Niederwald-Denkmals, der Germania, angebracht. Gesungen wurde das Lied von Soldaten, die im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 kämpften. „Die Germania bewacht bei Bingen den Rhein, der von den Koalitionskriegen bis zum Sturz Napoleons deutsch-französischer Grenzfluss war.“ So erklärte Beyer, der selbst in der Gneisenaustraße aufwuchs, den Gästen die Bezüge des Denkmals zum Themenschwerpunkt der Ausstellung, die sich lebendig mit Geschichte und Kultur auseinandersetze. Seine rhetorische Frage, ob die 6256 Museen, Ausstellungshallen sowie zahlreiche Theater und Festivals in Deutschland generell seien, um solche historischen Bezüge zu erinnern, beantwortete mit einem eindeutigen Plädoyer für die Kultur. „Kultur bildet. Sie ist ein Wertefundament, nicht ein weicher, sondern ein harter Standortfaktor und somit ein Stück Identität“. In diesem Kontext sei auch das OSLM zu sehen, dessen Strahlkraft über die Grenzen des Landes hinaus wirke. 

landtagsabgeordneter werner jostmeier Bereits beim Geburtstagsjubiläum zu Gast im OSLM, freute sich Landtagsabgeordneter Werner Jostmeier sichtlich, nach so kurzer Zeit erneut in Ratingen sein zu können und übermittelte die Grüße seiner Fraktion (CDU). In dreifacher Funktion, als Landtagsabgeordneter, Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe in NRW und als Beauftragter für Vertriebene, Flüchtlinge, Aussiedler und deutsche Minderheiten redete er zu den Gästen und griff dabei das Motto des Internationalen Museumstages "Vergangenheit erinnern - Zukunft gestalten: Museen machen mit!" auf. Auch das Oberschlesische Landesmuseum beteilige sich daran mit seiner großen Sonderausstellung zu den Befreiungskriegen und leiste damit wichtige Erinnerungsarbeit. Als ein Resultat dieser bewegten Vergangenheit nannte er Hambach als Wiege der deutschen Demokratie und die Paulskirche, wo die Nationalversammlung die erste demokratische Verfassung für Deutschland schuf, die in Teilbereichen im heutigen Grundgesetz verankert ist. Er gab zu bedenken, dass die Geschichte damals sicherlich anders verlaufen wäre, wenn der Preußische König die Kaiserkrone nicht abgelehnt hätte. Das Publikum forderte er auf, bei allem was man tut, die Folgen der historischen Dimension zu bedenken. In der Vergangenheit habe es viele Versuche gegeben, Europa zu gestalten. Bei allen Schwierigkeiten sprach er sich für die Europäische Union als größtes und erfolgreichstes Bürokratieabbauprogramm sowie als größte Friedensinitiative aus. Seine eigene Familie habe in allen Kriegen gekämpft. Er selbst gehöre zur ersten Generation, der das Glück vergönnt sei, nicht an einem Krieg teilnehmen zu müssen. Diese Friedensdividende gelte es zu bewahren und zu verteidigen.

ausstellungserffnungBürgermeisterin Anne Korzonnek überbrachte die Glückwünsche zur neuen Ausstellung von Rat und Verwaltung der Stadt Ratingen. Sie gratulierte nachträglich zum Geburtstagsjubiläum, weil sie beim Festakt nicht dabei sein konnte. Das OSLM gehöre seit vielen Jahren zu einer für Ratingen wichtigen und unverzichtbaren Einrichtung. Mit seinen Ausstellungen und vielfältigen Angeboten sei es ein kultureller Mittelpunkt in Hösel und darüber hinaus nicht nur für die Oberschlesier, sondern für die ganze Familie.

Die preußischen Reformen von 1813 seien prägend für Deutschland gewesen. Auch die Farben des Landes Schwarz, Rot, Gold hätten dort ihren Ursprung. Diese und viele weitere nationale Bezüge des Ausstellungsthemas seien ausschlaggebend gewesen, dass Kulturstaatsminister Neumann gerne die Schirmherrschaft über diese Sonderschau des OSLM übernommen habe, erklärte Dr. Thomas Lindner in seinem Grußwort dem Publikum. Hardenberg und Stein hätten sich in besonderem Maße für Staatsreformen und bürgerliche Ideale eingesetzt, von denen einige noch bis heute gültig seien. Richtungsweisend habe Scharnhorst 1807 in einem Brief an Clausewitz geschrieben, man müsse der Nation das Gefühl der Selbstständigkeit einflößen, damit sie sich ihrer selbst annehme und sich selbst achte. Zwar gebe es Preußen nicht mehr, aber die preußische Kultur als geschichtliches Erbe. Dieses Kulturerbe in den osteuropäischen Ländern schlage eine Brücke nationaler Identität. Bei diesem Erinnerungstransfer übernehme das OSLM eine wichtige Katalysatorfunktion im Sinne des Paragrafen 96 des Bundesvertriebenengesetzes. Für den Beauftragten für Kultur und Medien seien dies wichtige und förderungswerte Aspekte.

luiseOSLM-Direktor und Ausstellungskurator Stephan Kaiser konnte in seiner Einführung in die Ausstellung nahtlos an die Ausführungen der Vorredner über die wechselhafte und spannende Ära Napoleons und der Freiheitskriege anknüpfen. Er begrüßte zuerst Izabella Kühnel vom Oberschlesischen Museum in Beuthen, das mit dem OSLM seit vielen Jahren partnerschaftlich verbunden ist. Diese Partnerschaft unterstreiche die europäische Dimension der neuen Ausstellung mit vielen außergewöhnlichen Exponaten. Diese Epoche darzustellen, sei Aufgabe, Chance und Leistung des Museums, seines Teams, das innerhalb weniger Wochen die große Bergbauschau abgebaut und die Ausstellung zu den Befreiungskriegen mit rund 500 Exponaten von über 30 Leihgebern aufgebaut habe. Diese knüpfe thematisch an die vorletzte Präsentation zu Friedrich dem Großen an. Mit Preußens König beginnt auch der erste Ausstellungsabschnitt. Friedrich hinterließ ein reformiertes Preußen, das aber bald in Stagnation verfiel. Mit der Katastrophe von 1806 endet die erste Ausstellungsetappe. Napoleons Russlandfeldzug brachte neue Konstellationen hervor. In Polen werde die Befreiung von Napoleon ganz anders gesehen, doch zeige sich in Breslau die Annahme des historischen Erbes. Erinnern in europäischer Dimension und deren Visualisierung sei eine primäre Aufgabe des Museums, nicht die Bewertung. Dabei gelte die Aufmerksamkeit in erster Linie den Exponaten und deren Aussagekraft. Einige herausragende Objekte präsentierte Kaiser dem Publikum als Lichtbilder. Ein besonders schönes Stück ist ein gerahmter Tondo mit Porträts der königlichen Familie Friedrich Wilhelm III. und Luise aus dem Haus Doorn (Niederlande), einem wichtigen Kooperationspartner. Von dort konnte das OSLM viele herausragende Exponate ausleihen, die nun in Ratingen in einmaliger Konstellation zu sehen sind. Als Epoche machendes Dokument bewertete Kaiser Friedrich Wilhelms „Aufruf an mein Volk“, weil damit große Erwartungen verbunden gewesen seien.napoleon

Als weitere Marksteine der Ausstellung wurden die Ratifikationsurkunde des Tilsiter Friedens mit Napoleons krakeliger Unterschrift aus dem Geheimen Staatsarchiv in Berlin und die Schlussakte des Wiener Kongresses vorgestellt, außerdem ein Gemälde mit der Begegnung von Napoleon, Zar Alexander I. und Friedrich Wilhelm III. auf der Memel sowie der Ordensstern des Roten Adlerordens. Prinz Paul von Württemberg erhielt diesen Orden wegen seines Kampfes gegen Napoleon. „Von großer Bedeutung ist die neue Ausstellung auch deshalb, weil sie viele Stücke erstmalig nach 100 Jahren wieder in der Zusammenstellung zeigt, in der sie in der Ausstellung anlässlich der Jahrhundertfeier der Freiheitskriege in Breslau zu sehen waren. Auch das ist Teil des historischen Erinnerns. Der Verlust der preußischen Provinzen im Osten hatte auch den Verlust von Sammlungen zur Folge. Die Geschichte schlägt da eine Brücke.“ Der Universitätsbibliothek Breslau, die dem OSLM zahlreiche Altdrucke für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat, galt deshalb Kaisers besonderer Dank. Seine Ausführungen schloss er mit der Perspektive auf das 200-jährige Jubiläum der Wiener Kongressakte 1815, das man auch mit einer Ausstellung würdigen könne. Doch seien derartige Projekte nur mit einem gewissen Budget zu realisieren, weshalb er nochmals dem BKM als großzügigem Förderer der neuen Ausstellung seinen herzlichen Dank aussprach.

In der neuen Ausstellung konnten die Gäste anschließend die vielen herausragenden Objekte bestaunen. Das sorgte wieder für viel Gesprächsstoff. So verweilte das Publikum noch bis zum frühen Abend im Museum. Auch alte Bekannte waren dabei. Gemeinsam freute man sich über eine rundum gelungene Eröffnungsfeier im OSLM

Weitere visuelle Eindrücke zur Eröffnungsfeier undzur Ausstellung finden Sie auf unser Flickr-Seite:

Fotos der Ausstellungseröffnung "Das Vaterland ist frey" - 200 Jahre antinapoleonische Befreiungskriege

Impressionen aus der Ausstellung

Kommende Veranstaltungen

Preisträgerkonzert Deutscher Musikrat
eine Veranstaltung des Kulturkreises Hösel
am Sonntag, 22. November um 17 Uhr
Ort: Stiftung Haus Oberschlesien

Samstags im Museum: Lokführer gesucht
museumspädagogisches Programm für Kinder
am Samstag, 25. Novembe um 14:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Oberschlesischer Adventsnachmittag mit Christbaumkugel-Workshop
am Sonntag, 3. Dezember ab 11 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

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