Die Situation der deutschen Minderheit in Polen

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20. März 2012
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ZDF-Beitrag über polnisch-deutsche OrtsschilderInformationen entnommen aus dem Bericht des polnischen Innenministeriums über die Situation der nationalen und ethnischen Minderheiten sowie der regionalen Sprache in der Republik Polen (Raport dotyczący sytuacji mniejszości narodowych i etnicznych oraz języka regionalnego w Rzeczypospolitej Polskiej) von 2007 (Quelle: Polnisches Innenministerium http://www.mswia.gov.pl/)

ARD-Beitrag zur deutschen Minderheit in Polen

Der folgende kommentierte Kurzbericht über die deutsche Minderheit greift die Ergebnisse auf, die das polnische Innenministerium in seinem Bericht über die Situation der nationalen und ethnischen Minderheiten von 2007 (vor den Parlamentswahlen vom Oktober 2007) verfasst hat. Den vollständigen Bericht und weitere Dokumente können Sie hier in polnischer Sprache einsehen. Nach der letzten Volkszählung von 2002 wurde ersichtlich, dass ein Minderheitengesetz erlassen werden muss, das „die mit Wahrung und Entwicklung der kulturellen Identität nationaler und ethnischer Minderheiten sowie der Wahrung und Entwicklung der Regionalsprache zusammenhängenden Angelegenheiten sowie die Art und Weise von Umsetzung des Grundsatzes gleichen Behandelns von Personen ohne Rücksicht auf ethnische Abstammung" regeln und "die Aufgaben und Zuständigkeiten von Organen der Regierungsverwaltung und der Einheiten territorialer Selbstverwaltung im Bereich dieser Angelegenheiten“ bestimmen sollte, wie es im Art. 1 des Minderheitengesetzes steht. Dieses Gesetzwurde am 6. Januar 2005 erlassen und bildet die juristische Grundlage für die kulturelle Tätigkeit der deutschen Minderheit in Polen.

Allgemeine Angaben zu den Minderheiten in Polen

Die zahlenmäßige Verteilung aller Minderheiten nach einzelnen WoiwodschaftenIn Polen gibt es neun nationale und vier ethnische Minderheiten. Zu den nationalen Minderheiten zählen: Armenier, Deutsche, Juden, Litauer, Russen, Slowaken, Tschechen, Ukrainer und Weißrussen. Zu den ethnischen Minderheiten zählen Karäer (jüdische Gruppe), Lemken, Roma und Tataren. Insgesamt sind es 253.273 Personen, was 0,7% der Bevölkerung Polens ausmacht (vgl. S.4 des Berichts sowie Art. 2 des Minderheitengesetzes). Eine nationale Minderheit unterscheidet dabei ein Aspekt von einer ethnischen Minderheit. Die nationale Minderheit identifiziert sich mit „der organisierten Nation in ihrem eigenen Land“ (Bericht S.34), während diese Eigenschaft bei der ethnischen Minderheit fehlt. Im Klartext heißt es, dass sich die deutsche Minderheit in Polen als nationale Minderheit mit der deutschen Nation identifiziert, die „in ihrem eigenen Land“, also in der Bundesrepublik „organisiert“ lebt. Bei den ethnischen Minderheiten, wie z.B. den Roma oder Tataren fehlt dagegen die Identifikation mit dem eigenen „Mutterland“, weil es ein solches gar nicht gibt. Bei der Definition einer nationalen Minderheit sei auf Art. 2.1.5. des Minderheitengesetzes verwiesen, wonach die Vorfahren der Angehörigen einer nationalen Minderheit die Republik Polen seit mindestens 100 Jahren bewohnen müssen. Diese Bestimmung ist vor dem Hintergrund des von polnischer Seite immer wieder erhobenen Vorwurfs, dass es keine anerkannte polnische Minderheit in der Bundesrepublik gebe, aufschlussreich. Die häufig dargebrachte Argumentation, dass polnischsprachige Arbeiter bereits seit den 1870er Jahren als sog. „Ruhrpolen“ in Deutschland gelebt haben und deren Nachfahren somit ein Recht auf Anerkennung als nationale Minderheit hätten, ist problematisch. Die meisten „Ruhrpolen“ sind in der Zwischenkriegszeit ausgewandert oder haben sich an die westdeutsche Gesellschaft assimiliert. Dagegen wäre es sachlich falsch, zu behaupten, dass die nach 1950 eingewanderten Aussiedler (sog. „Spätaussiedler aus Polen“) Polen seien, die sich als Angehörige einer nationalen Minderheit fühlen.

Die nationalen und ethnischen Minderheiten in Polen sind über mehrere Woiwodschaften (Verwaltungsbezirke) verstreut. Die zahlenmäßige Verteilung aller Minderheiten nach einzelnen Woiwodschaften sieht wie folgt aus (Vgl. Bericht S.4):

Die deutsche Minderheit in Polen

Die zahlenmäßige Verteilung aller Minderheiten nach einzelnen Woiwodschaften

Nach der Volkszählung wurden 147.094 Personen registriert, die ihre Nationalität als deutsch deklarierten. Diese Volksgruppe ist in elf Woiwodschaften vorhanden. Der größte Teil von ihnen lebt in der Woiwodschaft Oppeln (104.399 Personen), gefolgt von den Woiwodschaften Schlesien (Hauptstadt: Kattowitz – 30.531), Ermland-Masuren (Allenstein – 4.311), Pommern (Danzig – 2.016), Niederschlesien (Breslau – 1.792), Westpommern (Stettin – 1.014), Großpolen (Posen – 820), Kujawien-Pommern (Bromberg – 636), Lebus (Grünberg – 513), Masowien (Warschau – 351) und Lodsch (263).

Die Deutschen bewohnen überwiegend die zentralen und östlichen Landkreise der Woiwodschaft Oppeln, nämlich: Groß Strehlitz/Strzelce Opolskie (20,62%), Landkreis Oppeln/Opole (19,82%), Krappitz/Krapkowice (18,38%), Rosenberg/Olesno (16,82 %), Neustadt/Prudnik (14,93%), Kandrzin-Cosel / Kędzierzyn-Koźle (13,15%), Kreuzburg/Kluczbork (9,75%) und Oppeln-Stadt (2,46%). Des Weiteren bewohnen sie die westlichen Landkreise der Woiwodschaft Schlesien: Ratibor/Racibórz (7,24%), Gleiwitz/Gliwice (4,25 %), und Lublinitz/Lubliniec (3,10 %). Auf dem Gebiet von 27 Gemeinden der Woiwodschaft Oppeln und einer Gemeinde in der Woiwodschaft Schlesien (Kranowitz/Krzanowice) bilden die Deutschen mehr als 20% der Bevölkerung (vgl. Bericht, S.17 sowie Anlage 3 zum Bericht, S.3). 

Territoriale Verteilung der deutschen Minderheit

Territoriale Verteilung der deutschen Minderheit

Diese Gemeinden haben nach dem Minderheitengesetz das Recht, zweisprachige Ortsschilder einzuführen. Aufgrund von bürokratischen Hürden und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen hat es jedoch mehr als dreieinhalb Jahre gedauert, bis die ersten deutsch-polnischen Schilder aufgestellt worden sind. Dabei ist die erste Gemeinde, die ein solches zweisprachiges Ortsschild angebracht hat, in doppelter Hinsicht interessant. Lubowitz/Łubowice, der Geburtsort des bekannten oberschlesischen Romantikerdichters Joseph Freiherr von Eichendorff, liegt nicht in der Oppelner Woiwodschaft, wo der Großteil der Deutschen lebt, sondern im Ratiborer Landkreis. Dazu stellen dort die Deutschen weniger als 20% der Einwohner. Dort ist das Schild am 4. September 2008 aufgestellt worden. Eine Woche später folgte die Gemeinde Radlau/Radłów, Kreis Rosenberg/Olesno in der Woiwodschaft Oppeln. Inzwischen sind auch weitere zweisprachige Ortsschilder aufgestellt worden: in Landsmierz/Landzmierz, Czissek/Cisek, Kobelwitz/Kobylice (alle Kr. Kandrzin-Cosel in der Woiwodschaft Oppeln), Chronstau/Chrząstowice (Kr. Oppeln/Opole) sowie Friedrichswillle/Kolonia Biskupska (Kr. Rosenberg/Olesno).

Der Bericht des Innenministeriums berücksichtigt auch das Alter, den Bildungsgrad und die lokale Verbreitung der deutschen Minderheit in Polen. So leben 70,51% der Deutschen in Polen im dörflichen Milieu, was viel höher ist als im gesamtpolnischen Durchschnitt (38,2%). Der Bericht sieht eine enge Verbindung zwischen dem Wohnort und dem Bildungsgrad. Nur 3,12% der Deutschen in Polen haben einen Hochschulabschluss, was im Vergleich zum Durchschnitt in Polen (9,9%), in der Woiwodschaft Oppeln (8%) und in der Woiwodschaft Schlesien (8,9%) verhältnismäßig wenig ist. Diese Zahlen werden jedoch von den Autoren des Berichts gleich relativiert. So wird darauf hingewiesen, dass es in den beiden oberschlesischen Woiwodschaften zahlreiche universitäre Bildungseinrichtungen in Oppeln, Gleiwitz, Kattowitz oder Tschenstochau gibt, was den allgemeinen Durchschnitt der akademischen Ausbildung in den beiden Woiwodschaften hebt. Zieht man dagegen die polnische Dorfbevölkerung als Referenzwert heran, so kann man konstatieren, dass sich die deutsche Minderheit von der polnischen Mehrheit nicht wesentlich unterscheidet. So verfügt nur 4,2% der polnischen Dorfbevölkerung über einen Hochschulabschluss. Ähnlich sieht es in den beiden oberschlesischen Woiwodschaften aus. Im Oppelner Teil sind unter der dörflichen Gesamtbevölkerung nur 3,8% Akademiker, in der Woiwodschaft Schlesien 5,1%. Auf der anderen Seite ist der Anteil der Deutschen unter denjenigen, die keinen Schulabschluss besitzen (2,24%) geringer als im gesamtpolnischen Durchschnitt (3,64%). (Vgl. Bericht S.7f.).

Für die Verfasser des Berichts hängt der Gebrauch der regionalen Sprachen auch stark vom Wohnort ab. Unter einer regionalen Sprache versteht man bei der deutschen Minderheit den oberschlesischen (polnischsprachigen) Dialekt. Für alle nationalen und ethnischen Minderheiten gilt dabei, dass der Gebrauch einer regionalen Sprache eine Erscheinung des dörflichen Milieus ist (83,44%), was sich beispielsweise von den polnischstämmigen Oberschlesiern unterscheidet, die im oder um das Industriegebiet leben. So wird von der deutschen Minderheit die regionale Sprache überwiegend in Ortschaften mit weniger als 10.000 Einwohnern gesprochen (77,77% – vgl. Anlage 4, S.3.). Vom Alter her sind generell bei allen Minderheiten Überalterungstendenzen festzustellen. So sind weniger als 15% der Deutschen in Polen Minderjährige, was weniger ausmacht als im gesamtpolnischen Durchschnitt (23,2%). Die Gruppe der Sechzig- bis Siebzigjährigen ist dagegen sehr stark vertreten. Dennoch ist die knappe Mehrheit der Deutschen in Polen (50,11%) jünger als 45 Jahre (vgl. Anlage 5, S.4). Inwieweit sich die junge Generation mit der deutschen Sprache, Kultur und Tradition identifiziert und sie lebt, geht aus solchen statistischen Erhebungen natürlich nicht hervor. Aus den Berichten der aktiven Deutschen in Oberschlesien erfährt man häufig, dass der Besitz eines deutschen Reisepasses und der deutschen Staatsbürgerschaft noch lange nichts aussagt. Alle statistischen Erhebungen sehen Sie in diesen Diagrammen.

Der Bericht geht auch auf regionalpolitische Vorgänge ein. Bis zu den Parlamentswahlen vom Oktober 2007 waren zwei Vertreter der deutschen Minderheit im polnischen Parlament (Sejm) vertreten. Nach dem Ausscheiden von Henryk Kroll vertritt nun Ryszard Galla als einziger Vertreter die deutsche Minderheit. Auf der Ebene der (Oppelner) Woiwodschaft und der einzelnen Kreise ist das Engagement der Deutschen dagegen viel stärker ausgeprägt. So gibt es sieben deutsche Abgeordnete im Oppelner Sejmik (Woiwodschaftsparlament), davon ist einer Vizemarschall dieser Woiwodschaft. 47 Deutsche sind in Landkreisräten vertreten, nämlich in den Kreisen Groß Strehlitz / Strzelce Opolskie, Kandrzin-Cosel / Kędzierzyn Koźle, Krappitz / Krapkowice, Landkreis Oppeln / Opole, Rosenberg / Olesno, Kreuzburg / Kluczbork und Neustadt / Prudnik. Dem gegenüber sitzen in der Woiwodschaft Schlesien fünf Deutsche im Ratiborer Landkreisrat. Im Kreis Groß Strehlitz und Landkreis Oppeln bekamen die Vertreter der deutschen Minderheit den Großteil der Mandate. 26 Deutsche wurden in der Woiwodschaft Oppeln zu Vögten (Dorfvorsteher, pl. wójt) und Bürgermeistern gewählt. Einen deutschen Vogt gibt es in der Woiwodschaft Schlesien. Stark ist auch die Vertretung der Deutschen unter den Stadt- und Landräten: in der Woiwodschaft Oppeln gibt es 304 Räte, in der Woiwodschaft Schlesien 22 (Bericht S.18).

Zum Deutschunterricht von deutschstämmigen Schülern stellen die Verfasser des Berichts fest, dass 35.456 Schüler der deutschen Minderheit in 350 Bildungseinrichtungen die deutsche Sprache erlernen (Bericht S.18). Das sagt jedoch nichts über die Effektivität solcher Maßnahmen aus, da sich der Deutschunterricht meistens auf ca. 2-3 Stunden wöchentlich beläuft. Es gibt zwar rund ein Dutzend bilinguale (deutsch-polnische) Schulen in Oberschlesien, jedoch keine deutsche Schule.

Schlussfolgerungen

Die Verfasser des Berichts kommen zur Schlussfolgerung, dass das Minderheitengesetz von 2005 die Situation der Minderheiten wesentlich verändert habe. Wichtig sei zunächst gewesen, solche Minderheiten zu definieren und aufzulisten, um das Bewusstsein in der polnischen Gesellschaft dafür zu schaffen. Bedeutend sei auch die Feststellung gewesen, dass der polnische Staat daran interessiert sei, die kulturelle Identität und die regionalen Sprachen der Minderheiten zu pflegen. Neu sei dabei, dass die Rechte der Minderheiten erstmalig definiert worden seien. Dazu gehört das Recht auf den offiziellen Gebrauch einer Fremdsprache als Hilfssprache bei Behörden, das Recht auf zweisprachige Beschriftung von Orts- und Straßenschildern oder Gebäuden. Das Minderheitengesetz erweitere die Möglichkeiten der staatlichen Förderung von weiteren Projekten, die das kulturelle Erbe der Minderheiten pflegen. Das Gesetz gebe den Vertretern der Minderheiten die Gelegenheit zur verstärkten Einflussnahme auf die Regionalpolitik in Angelegenheiten, die sie betreffen. Das polnische Innenministerium habe dafür finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, deren Höhe nahezu verdoppelt worden sei. Das Gesetz habe jedoch nicht alle Probleme lösen können. Die Verfasser des Berichts bedauern, dass innerhalb von zwei Jahren seit Inkrafttreten des Minderheitengesetzes die Liste mit Gemeinden, in denen die Hilfssprache und zweisprachige Ortsschilder eingeführt werden dürfen, immer noch nicht lange sei. Die Folgen des Kommunismus seien in Polen immer noch nicht beseitigt worden (vgl. Bericht, S.101).   

Schlesische Museen in Deutschland

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20. März 2012
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In Deutschland bestehen zwei auf Schlesien spezialisierte Museen.

Das zentrale Museum für Oberschlesien und die Oberschlesier ist das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen zwischen den rheinischen Großstädten Essen und Düsseldorf.

An der östlichen Grenze gibt es das Schlesische Museum zu Görlitz in einem renovierten innerstädtischen Renaissancehof am Untermarkt.

In Königswinter gibt es ein Haus Schlesien. Dessen ehemaliges Museum für schlesische Landeskunde wird nun als Dokumentations- und Informationszentrum für schlesische Landeskunde fortgeführt.

Daneben bestehen zahlreiche kleinere heimatbezogene Sammlungen, die sich insbesondere mit einzelnen Städten und Kreisen befassen.

Im Oberschlesischen Landesmuseum (OSLM) wird nicht nur Oberschlesien lebendig. Viele Austauschprogramme mit Partnereinrichtungen im Darstellungsgebiet tragen dazu bei, ein lebensnahes Bild der Region zwischen Kreuzburg OS. und Bielitz, Tarnowitz und Neiße, Teschen und Troppau und die heutige Situation insbesondere in den beiden polnischen Wojewodschaften Oppeln und (Ober)Schlesien sowie dem tschechischen Landesteil verständlich zu machen. Meist wird bei Ausstellungen das ganze Schlesien betrachtet, um das Geschehen in und um Oberschlesien besser einordnen zu können. Das OSLM ist ein professionell geführtes Haus mit hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Mit seinem 1998 eröffneten Neubau verfügt es an einem verkehrsgünstigen Standort über hervorragende moderne Räumlichkeiten, Werkstätten und Magazine. Das Museum ist der wichtigste Partner der Landsmannschaft, gerade bei fachlichen Fragen zur Pflege und Bewahrung musealer Sammlungen und unterschiedlichen Sammlungsguts. Das OSLM ist seit der Gründung im Rahmen der Stiftung Haus Oberschlesien, die auf die Landsmannschaft der Oberschlesier zurückgeht, auch stets eine aufnehmende Einrichtung, die private Nachlässe und heimatbezogene Schenkungen auf Dauer sicher verwahrt. Durch moderne Inventarisierungsmethoden und das Internet werden die Bestände zukünftig transparenter recherchierbar. Bei Problemen mit Heimatsammlungen, auch im Hinblick auf die langfristige Sicherung von lokalen Sammlungen bei Heimatstuben, werden die Museumsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter in Ratingen gerne beratend und ggf. weiterführend tätig. Zur Stiftung Haus Oberschlesien gehört das Fachinformationszentrum Schlesien - Böhmen - Mähren. Es ist eine wichtige Auskunftsstelle, weil dort in mehr als 25 Jahren wichtige gedruckte und bildlcihe Beständen zusammengeführt wurden. Moderne Medien und aktuelle Karten können die älteren Unterlagen, sowie die wichtigen Adressucher, bei Reisevorbereitungen ergänzen.


Oberschlesisches Landesmuseum

Bahnhofstr. 62
40883 Ratingen

geöffnet: Di–So 11–17 Uhr

Tel.: 0 21 02 / 96 50
Fax: 0 21 02 / 96 52 40

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.oslm.de


Schlesisches Museum zu Görlitz

Brüderstr. 8
02826 Görlitz

geöffnet: Di–So 10–17 Uhr

Tel.: 0 35 81 / 87 91 0
Fax: 0 35 81 / 87 91 20 0

E-Mail : Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: http://www.schlesisches-museum.de


Haus Schlesien

Dollendorfer Str. 412
53639 Königswinter, Ortsteil Heisterbacherrott

Tel.: 0 22 44 / 88 60
Fax: 0 22 44 / 88 62 30

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: http://www.hausschlesien.info

Das Museum

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20. März 2012
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Der Eingang des MuseumsDas seit 1983 bestehende Oberschlesische Landesmuseum ist in erster Linie ein kulturgeschichtliches Museum. Es hat die Aufgabe, das dingliche Kulturgut Oberschlesiens zu sammeln, zu bewahren, auszuwerten und auszustellen, um der gesamten Öffentlichkeit ein Bild von der Geschichte und Kultur der schlesischen Regionen zu vermitteln und damit auch über das heutige Polen und Tschechien zu informieren. Das Museum arbeitet dabei im Geist der Völkerverständigung und der guten deutsch-polnisch-tschechischen Nachbarschaft. Es wird vom Land Nordrhein-Westfalen, seit 1964 Patenland für die Oberschlesier, gefördert. Träger ist die 1970 gegründete Stiftung Haus Oberschlesien, eine Stiftung privaten Rechts. Schwerpunktmäßig befasst sich das Museum mit den schlesischen Landesteilen an der oberen Oder, dem von Bergbau und Schwerindustrie bestimmten Industrierevier sowie mit den angrenzenden Gebieten bis hin vom Altvatergebirge bis zu den Beskiden.

OSL_TreppenhausSeit Juli 1998 präsentiert sich das Oberschlesische Landesmuseum in einem von dem Kölner Architekten Walter von Lom & Partner entworfenen Neubau. Das Gebäude besteht aus drei Kuben, aus einem massiven Betonblock zur Straße hin und aus zwei größeren leichteren Stahl-Glas-Kuben, die sich durchdringen. Alle drei Würfel treffen sich im zentralen Treppenhaus, das durch eine Wendeltreppe erschlossen wird. Aus diesem Grundriss wurde das Logo des Museums entwickelt.

Das auch für Behinderte gut zugängliche Museum hat drei Stockwerke und eine Ausstellungsfläche von insgesamt ca. 1.600 qm. Die drei Stockwerke sind zum Treppenhaus hin offen. Sie haben auch keine Binnengliederung; diese muss jeweils für Ausstellungszwecke eingerichtet werden. So ergibt sich die Möglichkeit von Einblicken in die Stockwerke hinein und durch die Stockwerke hindurch, besonders von der Wendeltreppe aus. Es entsteht der Eindruck von Helligkeit und Offenheit. Dieser Eindruck ist gewollt, denn Offenheit, Transparenz und das helle Licht historischer Aufklärung prägen die Museumsarbeit.

Den Besucher empfängt ein großzügiges Foyer mit Rezeption, vielfältigem Informationsmaterial und einer kleinen Sitzgruppe zum Verweilen. Auf gleicher Ebene öffnet sich im Erdgeschoss der Raum für Wechselausstellungen mit einer Ausstellungsfläche von ca. 550 qm. Er lässt sich u.a. durch Stellwände gliedern und hat sich bei unterschiedlichen Typen von Ausstellungen bisher sehr bewährt. Der Raum – ohne feste Binnengrenzen, mit beim Durchschreiten wechselnden Perspektiven und mit seiner Offenheit zum Treppenhaus hin – ermöglicht anspruchsvolle Konzeptionen und Gestaltungen. Beim Hinaufgehen öffnen sich dem Besucher reizvolle Blicke in diesen Wechselausstellungsbereich.

Im Obergeschoss hat auf ca. 875 qm die Dauerausstellung Platz gefunden. Sie gewährt einen Überblick über die Kultur und Geschichte Oberschlesiens mit den drei Hauptthemen „Oberschlesien vor der Industrialisierung”, „Oberschlesien und die Industrie” sowie „Oberschlesien in der Politik des 20. Jahrhunderts”. Gezeigt werden u.a. kostbares Silber, Fayencen, Eisenkunstguss, Textilien, Modelle, Orts- und Industrieansichten sowie Karten und historische Dokumente.

Nebenan ist ein weiterer Wechselausstellungsbereich. Von 1998 bis 2010 war dort eine statische Präsentation zum Leben und Werk des bedeutenden Dichters der Romantik, Joseph von Eichendorff (1788 – 1857). Diese genügte neuen museumspädagogischen Zielsetzungen nicht mehr. Mit der Umgestaltung sind nun weitere erlebnisreiche Vorhaben möglich.

Das Sockelgeschoss mit ca. 175 qm Nutzfläche bietet Platz für kleinere Wechselausstellungen oder eine Darstellung von Land und Leuten im Spannungsfeld deutscher Kulturgeschichte. Für die Museumspädagogik steht ein Arbeitsraum zur Verfügung. Nebenan befinden sich Werkstätten und Depots, die auch Bestände von Heimatstuben aufnehmen können.

Aktiv und innovativ werden heute die Möglichkeiten grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit Museen und kulturellen Einrichtungen in den schlesischen Landesteilen Polens und Tschechiens genutzt. Laufend finden gemeinsame Ausstellungsvorhaben an wechselnden Orten statt. Die Wechselausstellungen werden nach Möglichkeit von zweisprachigen Katalogen begleitet. Themenschwerpunkte sind hier: „Kultur und Geschichte Oberschlesiens”, „Ost-West-Beziehungen”, „vergleichende Geschichte der Industrie”, „historische und aktuelle Kunst in und aus Oberschlesien” und – mit zunehmender Bedeutung – Probleme des heutigen Oberschlesien sowie Ausstellungen zu Themen der hiesigen Region. Das Oberschlesische Landesmuseum begleitet als gerne übernommene zusätzliche Aufgabe kulturell die von staatlichen und privaten Initiativen aus Nordrhein-Westfalen unterstützte Umstrukturierung des oberschlesischen Industriegebietes. Die Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Wojewodschaft Schlesien vom Herbst 2000 bzw. der Neuauflage 2008 bietet dafür den offiziellen Rahmen. Der Beitrag des Oberschlesischen Landesmuseums sind Ausstellungen, Informationsveranstaltungen und die Vermittlung von Kontakten. Es ist bestrebt, aus eigener Perspektive und eigener Kompetenz einen Beitrag zum viel diskutierten Thema der „erzwungenen Migration” zu leisten.

Das Museum bietet Vorträge, Führungen und museumspädagogische Programme an. Kinder und Jugendliche sowie Schulklassen können an Aktionsnachmittagen teilnehmen.

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Was ist Oberschlesien?

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Geschrieben von Peters-Schildgen
20. März 2012
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Oberschlesien, eine Industrieregion mit reicher Geschichte, interessanter Gegenwart und europäischer Zukunft

"So recht zu kategorisieren, ‚faßbar’ oder erfaßbar ist das alles nicht, nicht in seiner Nationalität, nicht in seiner Religiosität, manches erinnert an den Kohlenpott, als wäre er nach Osten verrutscht, aber zutreffender wäre wohl, den Kohlenpott als ein nach Westen verrutschtes Oberschlesien zu bezeichnen",

schreibt Heinrich Böll unter dem Titel „Das Schmerzliche an Oberschlesien” in seiner Rezension von Horst Bieneks „Die erste Polka” über das Oberschlesien der Vorkriegszeit. Er spielt damit sowohl auf die historischen Beziehungen zwischen den beiden Industrieregionen an, die durch die Zuwanderung oberschlesischer Menschen ins Ruhrgebiet gekennzeichnet sind – Erwerbsmigranten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, denen nach 1945 Flüchtlinge und Vertriebene und später Aussiedler folgten – als auch auf strukturelle Ähnlichkeiten. Zu ihnen kommen jetzt mit dem Rückgang der Montanindustrie vergleichbare Probleme der Umstrukturierung.

"Oberschlesien ist nicht Schlesien, es ist beides nicht eindeutig: weder deutsch noch polnisch, und seine Unabhängigkeitsansprüche waren gar nicht weit hergeholt, wenn auch politisch hoffnungslos. (…) zerquetscht und ständig hin und her gerissen zwischen zwei anspruchsvollen, total humorlosen Nationalismen, waren´s die Leute einfach leid, ständig ‚bekennen’ zu müssen,”

schreibt Böll weiterhin und verweist damit auf die leidvolle Geschichte Oberschlesiens im 20. Jahrhundert, als es Zankapfel zwischen Deutschen und Polen war. Als Folge des Zweiten Weltkriegs gehört Oberschlesien zu Polen. Viele Oberschlesier flohen, wurden vertrieben oder sahen sich zur Aussiedlung veranlasst. Oft war dabei Nordrhein-Westfalen ihr Ziel, so dass viele Einwohner von Nordrhein-Westfalen oberschlesische Wurzeln haben. Andererseits fanden Ostpolen, die ebenfalls vertrieben worden waren, in Oberschlesien eine neue Heimat.

Oberschlesien um 1750

Die heutige Wojewodschaft Schlesien hat das oberschlesische Industriegebiet zum Kern, umfasst aber auch die im Süden angrenzenden Beskiden und reicht durch die Einbeziehung der Region um Tschenstochau über die historische Nordostgrenze Oberschlesiens hinaus. Zum historischen Oberschlesien und damit zum Interessengebiet des Oberschlesischen Landesmuseums gehören aber auch die Wojewodschaft Oppeln und südwestlich angrenzende Gebiete im heutigen Tschechien. Auf der Suche nach ihrer Identität besinnen sich die Wojewodschaften Schlesien und Oppeln auf ihre Geschichte und Kultur, auch auf den deutschen Anteil, für den jetzt die deutsche Minderheit steht. Sie empfinden sich als eine Region, die von vielen Kulturen geformt wurde, und unterscheiden sich durch diese Besonderheit von anderen Regionen Polens. Auch im schlesischen Teil Tschechiens knüpft man an schlesische Traditionen an.

1964 hat das Land Nordrhein-Westfalen angesichts der vielfältigen Verbindungen beider Regionen eine Patenschaft über die Oberschlesier übernommen und am 1. September 2000 mit der Wojewodschaft Schlesien eine „Gemeinsame Erklärung über die Zusammenarbeit und den Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen” unterzeichnet. Diese gibt den zahlreichen staatlichen und privaten Initiativen und den sich daraus entwickelnden Beziehungen einen offiziellen Rahmen. Die „Gemeinsame Erklärung” sieht eine „Vertiefung des kulturellen und sprachlichen Austausches zwischen beiden Regionen unter besonderer Berücksichtigung der Interessen der Menschen mit polnischer bzw. deutscher Abstammung an der Bewahrung der Identität” vor. Das Oberschlesische Landesmuseum begleitet diesen Austausch mit entsprechenden Aktivitäten und versteht sich als Informationszentrum.

Historisches Oberschlesien (grün) und heutige Woiwodschaften Oppeln / Schlesien (orange)

Weiterführende Links:

Eine Informative Seite zum deutsch-polnischen Verhältnis im Laufe der Jahrhunderte bietet der Rundfunk Berlin-Brandenburg RBB.

Die Zwischenkriegszeit in Oberschlesien beleuchtet auf einer anschaulichen Seite das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung.

Kommende Veranstaltungen

Samstags im Museum: Weihnachten auf dem Teller
museumspädagogisches Programm für Kinder
am Samstag, 16. Dezember um 14:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Weihnachtsgeschichte - Kinder Musizieren für Kinder
Musikalisches Krippenspiel
am Samstag, 16. Dezember um 17 Uhr
und am Sonntag, 17. Dezember um 17 Uhr
Ort: Haus Oberschlesien

Öffentliche Sonntagsführung
durch die Sonderausstellung "Schlesische Bahnwelten"
am Sonntag, 14. Januar um 15 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Sonntagskonzert "Die französische Klarinette"
eine Veranstaltung des Kulturkreises Hösel
am Sonntag, 14. Januar um 17 Uhr
Ort: Stiftung Haus Oberschlesien

Kontakt

Anschrift:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 62
40883 Ratingen (Hösel)

Telefon:
+49(0)2102-9650

Email:
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