Eindrücke aus dem Volontariat am OSLM

05. Mai 2017 Zugriffe: 1177 Geschrieben von Mehring
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Eindrücke aus meinem Volontariat
von Dr. Frank Mäuer

MaeuerMein Weg ins Oberschlesischen Landesmuseum (OSLM) in Ratingen führte über ein Praktikum im Oktober und November 2013. Nach dem Studium der Geschichte und meiner Promotion mit einer Arbeit zu Staatsbesuchen in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“ wollte ich hier einen weiteren Bereich historischen Arbeitens in Form der Museumsarbeit kennenlernen. Die ersten Erfahrungen, die ich am OSLM im Rahmen der Vorbereitungen zu einer Ausstellung über die Geschichte der Mobilität (,,Fahren, Gleiten, Rollen – Mobil sein im Wandel der Zeit", 2013) sammeln konnte, haben mich darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und mich um das dort ausgeschriebene Volontariat zu bewerben. Vom 1. Februar 2014 bis zum 31. Januar 2017 war ich als wissenschaftlicher Volontär am OSLM tätig.

Nach dem Leitfaden des Deutschen Museumsbundes ist das Ziel des wissenschaftlichen Volontariats „die möglichst umfassende Qualifizierung für die komplexen Aufgaben und Arbeitsgebiete in einem Museum“. Wenn ich im Rückblick auf meine dreijährige Tätigkeit am OSLM einen einzelnen Aspekt hervorheben müsste, dann wäre es der, dass ich an diesem Hause die Vielfalt und Komplexität der Museumsarbeit in allen Facetten kennenlernen konnte. Als Museum hat das OSLM die spezifischen Kernaufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen sowie Ausstellen und Vermitteln. Durch seine Ausstellungen – dem klassischen Medium der Vermittlungsarbeit für ein Museum – behandelt das OSLM eine Vielzahl von (kultur-)historischen Themen, die gleichermaßen einen oberschlesischen Bezug wie allgemeingültige Relevanz haben.

Bemerkenswert –  und für den Erfahrungszuwachs eines jungen Volontärs sicher von großem Vorteil! – scheint mir die vergleichsweise große Anzahl von Sonderausstellungen zu sein, die das OSLM als Eigenproduktionen in Ratingen zeigt. Beginnend mit der Abwicklung einer Sonderausstellung über die Befreiungskriege im Oktober 2013 („Das Vaterland ist frey“ – 200 Jahre antinapoelonische Befreiungskriege, 2013) konnte ich in den vergangenen drei Jahren in unterschiedlicher Funktion und mit unterschiedlichen Aufgaben an  Ausstellungen zur Entwicklung der Mobilität („Fahren, Gleiten, Rollen - Mobil sein im Wandel der Zeit“, 2013/14), zum Ersten Weltkrieg („Heimat.Front – Oberschlesien und der Erste Weltkrieg“, 2015), zur Geschichte der Nahrungsmittelerzeugung, -verarbeitung und -zubereitung („Für Leib & Seele. Von der Kultur des Essens und Trinkens“, 2015-2017) sowie zur schlesischen Eisenbahngeschichte („Schlesische Bahnwelten - 175 Jahre Modernität und Mobilität“, ab 2017) mitwirken. Und damit sind nur die Sonderausstellungen auf der 550 m2 großen Ausstellungfläche im Erdgeschoss genannt; hinzu kommen zahlreiche kleinere Sonderausstellungen mit historischen, volkskundlichen oder künstlerischen Schwerpunkten auf der kleinen Sonderausstellungsfläche im 1. OG.

Hierbei konnte ich vielfältige Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen moderner Ausstellungs- und Museumsarbeit – von der thematischen Recherche über die textliche Kontextualisierung, die Exponatlogistik bis zur Durchführung museumspädagogischer Programme – sammeln. Das gilt in besonderer Weise für die große Weltkriegsausstellung „Heimat.Front“, bei der ich als Kurator sämtliche Projektphasen betreuen konnte: von der Entwicklung des Ausstellungskonzepts über den Projektantrag, die Exponatauswahl und die Organisation und Durchführung des nationalen und internationalen Leihverkehrs, das Verfassen der Ausstellungstexte und die Erstellung ausstellungsbegleitender Materialien, die Mitwirkung an der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zum eigentlichen, physischen Aufbau der Ausstellung. Hierbei habe ich das Vertrauen und die Unterstützung durch das gesamte Mitarbeiterteam als große Ermutigung und wesentlichen Grund für den Erfolg dieser wie anderer Ausstellungen des Hauses empfunden. Dies gilt umso mehr, als am OSLM viele Bereiche der Ausstellungspräsentation in „Eigenregie“ erstellt werden, die anderswo möglicherweise an externe Anbieter delegiert werden, so z. B. im Bereich der graphischen Gestaltung von Flyern, Plakaten, Fahnen, Bannern und Tafeln, der Video- und Audioproduktion sowie der baulichen Gestaltung der Ausstellungsarchitektur. Dies kann nur durch ein koordiniertes, projektorientiertes Zusammenarbeiten im Team gelingen, bei dem die unterschiedlichen Talente der Mitarbeiter zur Geltung kommen.

Sehr gerne denke ich an die vielen Gelegenheiten der vergangenen Jahre zurück, in denen ich die Möglichkeit hatte, mit den Museumsbesuchern über die Inhalte unserer historisch-politischen Themenausstellungen und ihre Bezüge zur Gegenwart in Austausch zu treten. Diese Gelegenheiten ergaben sich beispielsweise bei meinen zahlreichen zielgruppenspezifischen Führungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene oder bei ausstellungsbegleitenden Angeboten und öffentlichkeitswirksamen Aktionstagen, an denen ich mitgewirkt habe.

Eine überaus wertvolle Erfahrung war für mich auch der Austausch mit anderen Museen und Gedächtnisinstitutionen über die jeweiligen Projekte. Am OSLM ist dies häufig ein Austausch über die Landesgrenzen hinaus, da mit zahlreichen polnischen und tschechischen Einrichtungen vertragliche Kooperationsvereinbarungen bestehen. Hieraus ergibt sich eine europäische Perspektive der Erinnerungsarbeit. Die Eindrücke, die ich im November 2015 im Rahmen einer Dienstreise nach Schlesien sammeln konnte, werden mir stets in Erinnerung bleiben.

Auch wenn die Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit sicher die nach außen sichtbarste der vier Säulen der Museumsarbeit ist, sind die drei anderen Säulen Sammeln, Bewahren und Forschen nicht weniger wichtig. Ich konnte bei meiner Tätigkeit am OSLM immer wieder die Erfahrung machen, dass die Basis jeder Ausstellungs- und Vermittlungstätigkeit die Erschließung und Erforschung der eigenen Sammlungs- und Archivbestände ist. Deren besonderer Reiz lag für mich immer darin, dass man bei der Beschäftigung mit der breit gefächerten Museumssammlung an jedem Tag und mit jedem Objekt neues hinzulernen kann. So kann die Form eines Nietknopfes am Gefäß (Griff) eines Infanteriesäbels möglicherweise seine Datierung bestimmen und es erwächst aus der Entschlüsselung einer allegorischen Darstellung auf einer friderizianischen Münze das Verständnis der mit ihr transportierten Herrschaftspropaganda. Kurz – hier erarbeitet man sich die Informationen, die man braucht, um aus einem historischen Objekt ein sprechendes Exponat machen zu können!   

Kommende Veranstaltungen

Preisträgerkonzert Deutscher Musikrat
eine Veranstaltung des Kulturkreises Hösel
am Sonntag, 22. November um 17 Uhr
Ort: Stiftung Haus Oberschlesien

Samstags im Museum: Lokführer gesucht
museumspädagogisches Programm für Kinder
am Samstag, 25. Novembe um 14:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Oberschlesischer Adventsnachmittag mit Christbaumkugel-Workshop
am Sonntag, 3. Dezember ab 11 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Kontakt

Anschrift:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 62
40883 Ratingen (Hösel)

Telefon:
+49(0)2102-9650

Email:
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