18.11.2007 - 02.03.2008 - Anfang und Ende Preußens in Schlesien

15. März 2012 Zugriffe: 6676 Geschrieben von Peters-Schildgen
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Große Sonderausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums

Plan der Festung Neisse von 1789.
Als vor 60 Jahren durch alliierte Weisung der Staat Preußen aufgelöst wurde, da gab es ihn mit seinen östlichen Provinzen schon gar nicht mehr. Beim Ende eines deutschen Schlesiens spielte Preußen keine Rolle mehr.

Anders sah es zu Beginn der preußischen Einflussnahme aus, als Schlesien ein deutsches Land im Einzugsbereich rivalisierender Großmächte war. So ist die Geschichte Schlesiens seit dem Einmarsch Friedrichs II. in Schlesien im Jahr 1740 nicht zu denken ohne die Beschäftigung mit der Rolle Preußens und seinem Wirken in diesem Land. Dieses Thema greift das Oberschlesische Landesmuseum durch eine große Sonderausstellung auf. Es gibt mehrere Etappen, die durch viele, teilweise erstmals ausgestellte Leihgaben großflächig präsentiert werden.

Ausgehend vom Geschehen des 17. Jahrhunderts wird der Blick auf die Feldzüge der Schlesischen Kriege Friedrichs II. von Preußen gerichtet. Zu den Darstellungen der Schlachten tritt deren Rezeption in Kunst und mit den Medien verschiedener Zeiten. Den Mechanismen der generationsübergreifenden Massensuggestion schenkt die Ausstellung darum besondere Beachtung.

Fahnen des Ulanen-Regiments Nr. 2 (Schlesisches).

Der nächste Schwerpunkt sind die preußischen Festungen. Besondere Bedeutung kommt ihrer Bauweise zu. Auf vielen Plänen, die sich zahlreich in Berlin erhalten haben und noch nie einer breiteren Öffentlichkeit gezeigt wurden, sind die Festungsanlagen im Detail zu sehen. Die Ausstellung konzentriert sich auf die Festungsstädte Glatz, Neisse und Cosel. Diese sind von Friedrich dem Großen nach seinen Erfahrungen bei der Einnahme Schlesiens neu befestigt und erheblich ausgebaut worden. Betrachtet wird auch die Festung Silberberg, die zur Sicherung eines Gebirgspasses entstand und eine abweichende Bauform aufweist. Zur Baugeschichte tritt das Geschehen der Belagerungen 1807. Neben dem konkreten Geschehen wird dabei deutlich, welche Funktion eine Festung im 18. und auch 19. Jahrhundert besaß und mit welchen Mitteln Angreifer und Verteidiger operierten. In allen drei heute polnischen Städten wurde 2007 des Geschehens vor zweihundert Jahren gedacht. Mit in den Blick wird darum der Wandel des Stadtbildes genommen und vorgestellt, was von den Festungswerken noch vorhanden ist und wie die zukunftsgerichteten Nutzungsoptionen in den drei Städten sind. Zu den Festungen Cosel, Neisse und Silberberg wird erstmalig zahlreiches Planmaterial präsentiert, das für den unmittelbaren örtlichen Gebrauch und im Genehmigungsgang bei Modernisierungen oder der Aufhebung der Festungen im 19. Jahrhundert entstanden war. Es gelangte später nach Berlin und wurde durch die Wiedervereinigung einfacher nutzbar. Mit diesen großflächigen Zeichnungen wird die einstige Konstellation in diesen schlesischen Festungsstädten detailliert verständlich.

Von 1807 richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Jahr 1813. Dieses Schwellenjahr gibt dann wiederum den Blick frei auf ein ganzes Jahrhundert. Denn die Freiheitskriege bringen mit der allgemeinen Wehrpflicht eine neue Grundlage für den Militärdienst und die Verbundenheit der Bevölkerung mit den in der Region stationierten Verbänden. Viele Andenken an die Dienstzeit aus den schlesischen Garnisonen belegen dies eindrucksvoll. Schließlich ist Schlesien im 20. Jahrhundert zweimal Schauplatz blutiger Kämpfe. Dabei kam gerade dem Annaberg eine besondere Bedeutung zu. Neben seiner traditionellen religiösen Funktion wurde er zu einem Kristallisationspunkt politischer Auseinandersetzungen. Auf manch weitgehend Unbekanntes wird der Besucher stoßen. So wurden von polnischer und tschechischer Seite die neuen Grenzgebiete nach dem Ersten Weltkrieg mit Sperren und tiefgestaffelten Bunkeranlagen ausgebaut. Diese neuartigen Anlagen kamen nicht wirkungsvoll zum Einsatz. Die Relikte sind heute teilweise als Museen zugänglich.

Mit der Sonderausstellung widmet sich das Oberschlesische Landesmuseum einer Materie, die nicht leicht sachlich ausgewogen darzustellen ist. Mancher Ort weckt traumatische Erinnerungen. So war der ehemalige Übungsplatz Lamsdorf im Ersten und im Zweiten Weltkrieges ein Internierungslager. Als Lambinowice wurde er unter umgekehrten Vorzeichen in der unmittelbaren Nachkriegszeit benutzt. Heute wird eine Versöhnung über den Gräbern versucht. Die Funktion eines Museums ist es, durch Gegenstände und Darstellungen zum Verständnis der Geschichte beizutragen. Das Oberschlesische Landesmuseum richtet mit dieser neuen Ausstellung den Blick auf Schlesien in seiner Gesamtheit. Wo es möglich ist, wie bei den Verbänden und Garnisonen, werden oberschlesische Bezüge stärker herausgestellt. Eine veränderte Fassung der Ausstellung soll ab 2008 im In- und Ausland zu Ausleihe kommen.

Aktionstag „Preußen” im Oberschlesischen Landesmuseum
Sonntag, 24. Februar 2008, 11.00–17.00 Uhr

Preußische Musketiere 1806.
Mit einer großen Ausstellung widmet sich das Oberschlesische Landesmuseum bis zum 2. März „Anfang und Ende Preußens in Schlesiens”.

Im 18. Jahrhundert waren es die schlesischen Kriege, die Schlesien zu Preußen brachten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden in den napoleonischen Kriegen die Festungen Schlesiens belagert und umkämpft. Am Aktionstag, Sonntag, 24. Februar 2008, wird das Geschehen der Zeit im Höseler Museum (Bahnhofstr. 62) besonders erlebbar.

Zahlreiche Akteure der Interessengemeinschaft Historischer Alltag werden in zeitgenössischen Uniformen die preußische und französische Linieninfanterie, das Ingenieur- und Mineurkorps und die Landwehr anschaulich vorstellen. Den ganzen Tag über von 11 bis 17 Uhr gibt es Erläuterungen und Führungen. Ergänzend werden als Programmangebot ganztätig vier historische Preußenfilme im Haus Oberschlesien gezeigt.