14.03 - 25.04.2010 - Eduard Pant - ein später Rückkehrer

15. März 2012 Zugriffe: 6747 Geschrieben von Peters-Schildgen
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pant_kleinPolitiker und Mensch einer deutsch-polnischen Grenzregion
Eine Ausstellung aus dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz

Das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz stellt in dieser Ausstellung Eduard Pant als einen Visionär und Verfechter der deutsch-polnischen Verständigung in den Mittelpunkt. Er gehörte zu den wenigen führenden Minderheitendeutschen in Polen und Ostmitteleuropa, die zu Beginn der 1930er Jahre öffentlich vor den Gefahren des Nationalsozialismus warnten und sich der Gleichschaltung nach dem Ermächtigungsgesetz von 1933 widersetzten.1887 in Witkowitz bei Mährisch-Ostrau geboren, wuchs Pant in einer katholischen Arbeiterfamilie auf. Dies wirkte sich prägend auf sein weiteres Leben und politisches Wirken aus.

Pant war promovierter Gymnasiallehrer und leidenschaftlicher gesellschaftlicher und politischer Aktivist. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Pant zur kaiserlich und königlichen Armee einberufen und erlebte an der italienischen und der russischen Front den grausamen Kriegsalltag. Nach Kriegsende arbeitete er wieder als Lehrer in Bielitz. Gleichzeitig nahm er seine christdemokratischen politischen Aktivitäten auf: zuerst erst im Christlich-sozialen Verein (von 1924 bis 1926 als Vorsitzender) und dann in der Deutschen Katholischen Volkspartei. Im Jahr 1926 verlegte er seinen Wohnsitz nach Kattowitz, wo er ein Jahr später zugleich Vorsitzender seiner Partei und Vertrauensperson aller Deutschen in Schlesien wurde. In den Jahren von 1928 bis 1935 war er Senator der Republik Polen und von 1922 bis 1935 Abgeordneter im Schlesischen Sejm.

pant_ausstellungDie Tafelausstellung ist bis Ende April im Landesmuseum Museum zu sehen. Sie widmet sich den verschiedenen Lebensabschnitten Pants, der von polnisch-nationalen Gruppen verfolgt und von deutschen Nationalsozialisten als Verräter angesehen wurde. Ein Schwerpunkt liegt auf dem politischen Engagement des oberschlesischen Politikers in den 1920er und 1930er Jahren. Die deutsche Minderheit in Polen wurde nach der Machtergreifung Adolf Hitlers von der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik erfasst, während das deutsch-polnische Nichtangriffsabkommen für eine „Beruhigung“ der beiderseitigen Beziehungen sorgte und seit 1934 das Minderheitenschutzabkommen aufgekündigt worden war. Die politischen Haltungen der Deutschen in Polen entsprachen etwa denjenigen in Deutschland, was sich in zahlreichen Institutionen, Verbänden etc. widerspiegelte. Diese wurden häufig von deutschen Behörden finanziell unterstützt und somit politisch instrumentalisiert. Eine wichtige Trennlinie zwischen den deutschen Gruppen in Polen war ihre loyale bzw. ablehnende Haltung zum polnischen Staat, wobei die katholischen Kräfte polenfreundlicher waren und die Protestanten eher zum Nationalsozialismus tendierten. Eduard Pant wehrte sich gegen die Entmachtung und Entrechtung der deutschen Katholiken wie auch der deutschen Minderheit in Polen. Er setzte sich für eine engere Zusammenarbeit mit Polen ein. Dazu gründete er auch die katholisch-konservative Wochenzeitung „Der Deutsche in Polen“ (1934–1939). Sie wurde weit über Polens Grenzen hinaus zu einem wichtigen Sprachrohr der christlichen Emigranten, der Opposition gegen den Nationalsozialismus und der nicht gleichgeschalteten Minderheiten in Ost-Mitteleuropa.

Den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und den Einmarsch der Deutschen in Polen hat Eduard Pant nicht mehr erlebt. Er starb 1938 in Kattowitz.

Anlagen:
 broschuere_pant.pdf [ ] 2036 Kb
 flyer_pant.pdf [ ] 194 Kb