18.5. bis 14.9.2014 - Schönwald – ein stickendes Dorf aus der Vergangenheit

19. November 2013 Zugriffe: 8707 Geschrieben von Peters-Schildgen
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Schönwälder Stickerei

Schönwald – ein stickendes Dorf aus der Vergangenheit

Eine Ausstellung mit dem Museum in Gleiwitz/Gliwice

18. Mai bis 14. September 2014

Das Dorf Schönwald/Bojków, heute ein Stadtteil von Gleiwitz, war vor 1945 vor allem durch seine Stickkunst bekannt. Sowohl der Name Schönwald als auch das für Oberschlesien untypische Dorf selbst sind inzwischen Geschichte. Der Ausnahmecharakter des Dorfes ergab sich aus seiner Entstehung und seiner bis ins Mittelalter zurückreichenden Geschichte, aus seinem Dialekt, der sich erhalten und von den Mundarten der umliegenden Dörfer unterschieden hat, sowie aus den dorther stammenden Volkstrachten und aus bestimmten, besonders die Hochzeit betreffenden Bräuchen. 

Die Schönwälder Stickkunst ist eng verbunden mit den Schönwälder Trachten. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ging man dazu über, die Frauentrachten mit farbigen Stickereien zu verzieren. Dabei handelt es sich um Farbstickerei, die mit Seidenfäden auf schwarzem Stoff aufgebracht wurde. Die so verzierten Trachten heben sich deutlich von anderen Trachten in Schlesien ab. In Schönwald wurden Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur Kopftücher und Bänder, sondern auch Blusen, Kragen, Kinderkleidchen und Kinderhäubchen kunstvoll und von Hand bestickt. Darüber hinaus zierten Blumen- und Rankenmotive, Getreideähren, Käfer und Schmetterlinge auch Gürtel, Beutel, Täschchen, Bucheinbände, Kissen, Decken und Wandbehänge. Diese Kunst wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Die Stickerei diente lange Zeit auch als Nebeneinnahme. Auf den umliegenden Wochenmärkten sind Stickereien neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen angeboten worden. Eine unababsichtigte Professionalisierung begann mit der Einrichtung einer Stückstube. Sie war bei ihrer Gründung im Jahr 1920 zur Bewahrung des Stickereiwissens gedacht. Aufgrund des enormen Erfolges über die Grenzen des Landes hinaus waren dort in den 1930er Jahren bereits über 100 Stickerinnen beschäftigt. Bis 1930 fertigten die Schönwälder Stickerinnen 17.000 Stickereien in einem Gesamtwert von 260.000 Mark. Somit verwandelte sich die Stickerei von einer ursprünglichen Nebeneinkunft zu einem begehrten Verkaufsobjekt und einer wichtigen Einnahmequelle. Unter den gezeigten Exponaten besonders hervorzuheben ist ein besticktes Ehrentuch. Zum sechzigsten Geburtstag von Frieda Kaisig, der Leiterin der Schönwälder Stickstube, wollten die Schönwälder Stickerinnen ihr ein besonderes Geschenk überreichen und fertigten das Ehrentuch als Dank für die 25-jährige Tätigkeit in der Stickstube an.
Eine weitere Besonderheit ist der Schönwälder Dialekt. In seiner Hochphase wurde er von rund 5.000 Menschen gesprochen. Die Entwicklung fand unabhängig von den umliegenden Ortschaften statt. Auf diese Weise entstand eine Sprachinsel, während im Umland Hochdeutsch, Oberschlesisch oder Polnisch gesprochen wurde.

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Museum in Gleiwitz entstanden. Seltene Objekte dieser besonderen Gattung der Schönwälder Stickereien sind dafür zusammengetragen worden. Weitere Leihgaben stammen aus dem Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott. Der zweisprachige, reich bebilderte Katalog zur Ausstellung (14,90 EUR) ist bereits erschienen.

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Die Ausstellungseröffnung am Sonntag, dem 18. Mai 2014, 15 Uhr, ist eingebunden in ein mehrstündiges Veranstaltungsprogramm im Außengelände und im Museum von 13 bis 18 Uhr im Rahmen des 37. Internationalen Museumstages 2014. Im Zusammenhang mit der Mobilitätsausstellung „Fahren, Gleiten, Rollen“ hat das Museum die technikhistorische Sammlung erweitert. Im Außenbereich wurde an der Grundstücksgrenze ein Eisenbahnwaggon aufgestellt. Dieser kann am Internationalen Museumstag besichtigt werden und wird in Führungen vorgestellt. Hergestellt wurde der 14m lange und 14 Tonnen schwere Personenwaggon in Stauding / Studénka, einer Kleinstadt an der oberen Oder, die einst zum Herzogtum Troppau gehörte.

 
Programm

- Ab 13 Uhr werden im Freigelände die Technikdenkmäler, der historische Eisenbahnwaggon aus Tschechien und die Seilscheiben des ehemaligen Kohlenbergwerks in Knurów, vorgestellt.

- Ab 14 Uhr spielt das Oberschlesische Blasorchester im Freigelände.

- 15 Uhr: Ausstellungseröffnung

- Von 13 bis 18 Uhr gibt es Führungen durch die Sonderausstellungen zu Schlesiens Mobilitätsgeschichte und zur Schönwälder Stickkunst sowie eine Führung auf dem Außengelände des Museums.

Für das leibliche Wohl mit Imbiss und Getränken ist gesorgt. 

„Sammeln verbindet – museum collections make connections“ - das Motto des diesjährigen Internationalen Museumstages nimmt das OSLM-Team beim Wort. Denn die grenzüberschreitende Kooperation mit europäischen Partnern gehört zur täglichen Arbeit des Museums. Keine Sammlung ist zufällig. Jede Kollektion hat eine Geschichte. Sammlung und Aufgaben des Museums werden als Brückenschlag zwischen kultureller Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Osten und Westen im Europa der Regionen verstanden. 

Am Internationalen Museumstag zahlen die Gäste 2 EUR (Kinder 1 EUR) für ein Tagesticket.

Begleitangebot

Sticken ist cool – Mittwoch, 16. Juli 2014, 15 Uhr (und auf Anfrage z.B. auch als Kindergeburtstag)

Für Jungen und Mädchen ab dem Grundschulalter
Kosten: 9 EUR (inkl. Materialien)
Anmeldung unter: 0 21 02 /96 50 oder per E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Förderung
Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen