Neue Sonderausstellung im ehemaligen Zisterzienserkloster Rauden (Rudy)

21. März 2012 Zugriffe: 6847 Geschrieben von Wons
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Der erste Schneefall in Oberschlesien hat zahlreiche Besucher nicht davon abgehalten, am 24. November 2010 in das Fortbildungszentrum der Diözese Gleiwitz in (Groß) Rauden / Rudy (Wielkie) (zwischen Gleiwitz / Gliwice und Ratibor / Racibórz gelegen) zu kommen, um der Eröffnung der neuen OSLM-Ausstellung beizuwohnen. Die Präsentation unter dem Titel „Verlassene Klöster! Die Säkularisierung schlesischer Klöster 1810“ („Opuszczone klasztory! Sekularyzacja klasztorów śląskich w 1810 roku“) ist eine zweisprachige Adaption der großen Sonderausstellung, die unter dem Titel: „Herrenlos! Schlesische Klöster zwischen Aufhebung und neuer Berufung“ vom Mai bis Oktober 2010 in Ratingen gezeigt wurde.

Die Sonderausstellung zeigt einen kurzen Abriss der Geschichte von Klöstern und Ordensgemeinschaften in der ganzen schlesischen Region. Angefangen von den Gründungen im Mittelalter, über zeitliche Umbrüche während der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges, die Ausfaltung des Glaubenslebens und prachtvolle barocke Umbauten im 17. und 18. Jahrhundert bis zur Aufhebung der Klöster im preußischen und österreichischen Teil Schlesiens. Die Klosteraufhebungen bieten jedoch nicht den Schlusspunkt der Präsentation. Anhand von ausgewählten Beispielen wird das weitere Schicksal der Klosteranlagen aufgezeigt und auf zahlreiche Neugründungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwiesen. Damit werde unterstrichen, dass die Säkularisation nicht das Ende des geweihten Lebens in Schlesien bedeutet, sondern dass dieses eine neue Form angenommen habe, betonte OSLM-Direktor Dr. Stephan Kaiser in seiner Ansprache.

saal 1Schon die Ausstellungskulisse bietet einen originalen Rahmen. Die Präsentation wurde in Ausstellungsräumen des künftigen Diözesanmuseums des Bistums Gleiwitz untergebracht. Dieses befindet sich im ehemaligen Zisterzienserkloster (Groß) Rauden, das nach der Säkularisation zum Sitz des Herzogs von Ratibor ausgebaut wurde und bis 1945 in dieser Funktion wirkte. Im Zuge der Kriegshandlungen wurde das ehemalige Klostergebäude von der anrückenden Roten Armee schwer beschädigt. Abgesehen von der Klosterkirche, die seit 1810 als Pfarrkirche wirkt und in den Jahren 1947-1950 renoviert wurde, befand sich das gesamte Klosterareal noch bis vor wenigen Jahren in diesem verfallenen Zustand. Heute gehört der Gebäudekomplex der Diözese Gleiwitz und wird zum Fortbildungs-, Konferenz- und Pilgerzentrum ausgebaut. Die Renovierungsarbeiten schreiten im atemberaubenden Tempo voran.
Trotz anderslautender Meinungen seitens zahlreicher Experten ist im Klostergebäude eine Reihe von originalen liturgischen und Kunstobjekten aus der Wirkungszeit der Zisterzienser erhalten geblieben. Diese wurden in die Ausstellung integriert und bereichern die Präsentation.

In seiner Begrüßungsansprache stellte der Leiter des Diözesanbildungshauses, Pater Jan Rosiek, den Verlauf der Renovierungsarbeiten und zukünftige Pläne für die weitere Nutzung des Hauses vor. Gemäß dem Motto der Zisterzienser solle die Einrichtung dem Volk dienen. Die Diözese Gleiwitz repräsentierte der Kurienkanzler des Bistums, Prälat Bernard Koj. Dieser ging auf das Ausstellungskonzept ein und betonte, dass es neben dem Ereignis der Klosteraufhebung (Säkularisation) auch den schleichenden Prozess der Verweltlichung der Gesellschaft (Säkularisierung) gebe, die sich heute besonders deutlich auswirke.
Als Repräsentant des Marschallamtes der Woiwodschaft Schlesien sprach der Leiter der Kulturabteilung, Przemysław Smyczek, und unterstrich die Bedeutung dieser Einrichtung für Oberschlesien. Rauden sei nicht nur in touristischer Hinsicht von Interesse, sondern nehme für die Bewohner Oberschlesiens als kulturelle und geistige Begegnungsstätte eine wichtige Rolle ein.

Alle Festredner unterstrichen die Bedeutung der grenzüberschreitenden Wahrnehmung der oberschlesischen Region, die nicht in gegenwärtigen politischen Verwaltungsgrenzen zu denken sei. So war für den Ausstellungskurator, Dr. Gregor Ploch, gerade dieser Aspekt wichtig, dass die Präsentation nicht nur auf den ehemals preußischen Teil Schlesiens eingehe, sondern auch den heutigen tschechischen Teil Oberschlesiens mit einbeziehe. Das sei durch die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Schlesischen Landesmuseum in Troppau / Opava gelungen, die den Organisatoren einige Exponate aus eigenen Sammlungen überlassen hätten. Die Anwesenheit einer größeren Delegation dieses Museums bei der Ausstellungseröffnung in Rauden wurde von allen Gästen wohlwollend aufgenommen.

OSLM-Direktor Dr. Stephan Kaiser freut sich, dass die Ausstellung an diesem Ort realisiert werden konnte. Das schaffe Vertrauen und biete Basis für künftige gemeinsame Projekte mit der Bildungseinrichtung, die sich künftig auch als Diözesanmuseum kulturell betätigen wird. Die Anwesenheit zahlreicher Vertreter der benachbarten Partnermuseen sei zudem ein Zeichen der Wahrnehmung der Tätigkeit des OSLM in Oberschlesien und der Wille zur weiteren Zusammenarbeit, betonte Direktor Kaiser.

Die Ausstellung: „Verlassene Klöster! Die Säkularisierung schlesischer Klöster 1810“ („Opuszczone klasztory! Sekularyzacja klasztorów śląskich w 1810 roku“) ist
vom 24. November 2010 bis zum 29. Mai 2011
zu sehen.

Adresse:
Ośrodek Formacyjno-Edukacyjny Diecezji Gliwickiej
ul. Cysterska 4
PL - 47-430 Rudy
Tel.: +48 (32) 410 33 11
Internet: http://rudy-opactwo.pl/

Kommende Veranstaltungen

Öffentliche Führung durch die Sonderausstellung "Schlesische Bahnwelten"
im Rahmen des Internationalen Museumstages 2017
am Sonntag, 21. Mai um 15 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Samstags im Museum "Mit dem Dampfross unterwegs"
Museumspädagogisches Programm für Kinder
am Samstag, 27. Mai um 14:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Samstags im Museum "Lokführer, Schaffner, Gleisbauer - Wer arbeitet bei der Bahn? "
Museumspädagogisches Programm für Kinder
am Samstag, 24. Juni um 14:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum


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