Melchior Grossek in Eichstätt

19. Februar 2013 Zugriffe: 9375 Geschrieben von Mehring
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"Scherenschnitte und Druckgraphik von Melchior Grossek" vom 17. April – 07. Juli 2013 im Diözesanmuseum Eichstätt

Mariae-Verkuendigung 1„Wie der Priester von der Kanzel durch das Wort, so soll der Künstler von den Wänden durch das Bild dem Volke predigen. Für beide Prediger lautet der Auftrag: lehret alle Völker.“
Dieser Leitgedanke prägte das geistliche und künstlerische Wirken von Melchior Grossek (1889 – 1967) gleichermaßen. Er verstand sich in erster Linie als Priester und Seelsorger. Doch Zeit seines Lebens drückte er sich auch durch die Kunst aus. Das Oberschlesische Landesmuseum zeigt 2010/11 erstmals einen Querschnitt durch das vielseitige künstlerische Werk dieser bemerkenswerten Persönlichkeit. Nachdem die Ausstellung auch in Grosseks Wahlheimat Berlin zu sehen war, präsentiert nun das Domschatz- und Diözesanmuseum Eichstätt die Schau.

Grossek FliegerjagdMelchior Grossek wurde 1889 in Bralin im ehemaligen Kreis Groß-Wartenberg (heute: Woiwodschaft Großpolen) geboren. Er studierte katholische Theologie in Breslau und begann gleichzeitig eine künstlerische Ausbildung an der dortigen Kunstakademie bei dem bekannten Künstler Heinrich Tüpke. 1913 kam er unmittelbar nach seiner Priesterweihe als Kaplan nach Berlin. Unterbrochen wurde der Aufenthalt in Berlin durch seine weitere künstlerische Ausbildung in München, Aachen und Bonn von 1920 bis 1922. 1924 trat Grossek seine erste Pfarrstelle in Berlin-Friedrichshagen an. Von 1938 bis zu seinem Ruhestand 1964 war er Pfarrer in der Gemeinde Heilige Familie in Berlin-Lichterfelde.

Grossek Hedwig1923 erschien Grosseks bedeutendstes und zentrales künstlerisches Werk: „Gestalten des Todes. Ein Totentanz des Weltkriegs“. Er widmete diese aus 15 Blättern bestehende Scherenschnittreihe seinen beiden Brüdern, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Der Totentanz ist ein im späten Mittelalter sehr populärer Kunsttypus. In seinen Anfängen wurde er wohl in der Folge der im 14. Jahrhundert ganz Europa heimsuchenden Pest geschaffen. Der Betrachter wird an die eigene Sterblichkeit erinnert und ermahnt, seine christlichen Gebote und sozialen Pflichten zur Erlangung des ewigen Lebens zu erfüllen. Der Erste und Zweite Weltkrieg veranlassten im 20. Jahrhundert viele Künstler, Motive aus dem Totentanz wieder aufzunehmen, oder eigene Werke entsprechend zu benennen. In Grosseks Totentanz bestimmt der erfindungsreiche und gierige Knochenmann das Geschehen auf den Kriegsschauplätzen der Welt. In schauriger Eindringlichkeit werden dem Betrachter die Schrecken des Krieges vor Augen geführt. Dieser Zyklus ist Klage und zugleich Protest gegen das Böse, das allgegenwärtig scheint. Vorgesehen war eine Fortsetzung um zwei weitere Mappen zu je 15 Tafeln, die jedoch nie erschienen sind.

Im selben Jahr veröffentlichte Melchior Grossek auch „Das Leben“. Nicht mehr ganz so expressiv, bisweilen idyllisch und detailliert gestaltet sind die 33 Scherenschnitte aus dem Leben Christi. Der Künstler Grossek tritt hier hinter den Priester Grossek zurück. Er vermied es so, dem Thema das Erhabene zu nehmen. Die „Gestalten des Todes“ und „Das Leben“ sind formal und inhaltlich sehr unterschiedlich. Beide Reihen kennzeichnet jedoch ihre ausgesprochene Kreativität und künstlerische Qualität.

Grossek verlorener SohnMelchior Grosseks Werk wird ergänzt durch zahlreiche Linol- und Holzschnitte, Aquarelle und Skizzen. Darunter befinden sich Vorstudien und Variationen zu seinen beiden Scherenschnittreihen. Christliche Motive bestimmen auch sein druckgraphisches Werk, doch wagte er sich hier wieder an eine intensivere und expressivere Gestaltung heran. Seine Landschaftsaquarelle stammen größtenteils aus seinen späten Lebensjahren und wurden auf Reisen in die Allgäuer Alpen und Südeuropa angefertigt.

Melchior Grossek lässt sich am ehesten dem Berliner Expressionismus zuordnen, obwohl dieser seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, als Grossek künstlerisch tätig wurde. In erster Linie ist sein Werk aber ein Ausdruck eines christlichen Bekenntnisses. Der größte Teil des bekannten künstlerischen Nachlasses Grosseks befindet sich im Besitz eines Sammlers in München und wird im Rahmen der Wanderausstellung zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Kommende Veranstaltungen

Sonntagskonzert: Faust-Trio
Eine Veranstaltung des Kulturkreis Hösel
am Sonntag, 25. Juni um 17 Uhr
Ort: Haus Oberschlesien

Lesung "Oberschlesien prosaisch"
Eine Veranstaltung des Kulturreferenten für Oberschlesien und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa
am Mittwoch, 28. Juni um 19 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

OSLM Sommerfest
am Mittwoch, 9. Juli von 11 bis 18 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Öffentliche Führung durch die Sonderausstellung "Schlesische Bahnwelten"
am Sonntag, 27. August um 15 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Kontakt

Anschrift:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 62
40883 Ratingen (Hösel)

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