Ausstellung zum Schlesischen Adel ab dem 7. Oktober in Oppeln

12. September 2013 Zugriffe: 7497 Geschrieben von Peters-Schildgen
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Adel gasthaus7. Oktober bis 30. November 2013
„Szlachta na Śląsku”

Woiwodschaftsbibliothek in Oppeln / Wojewódzka Biblioteka Publiczna im. Emanuela Smołki

Die polnische Fassung der Ausstellung „Adel in Schlesien“ - „Szlachta na Śląsku” wird am Montag, dem 7. Oktober 2013, 17.00 Uhr in der Öffentlichen Woiwodschaftsbibliothek in Oppeln eröffnet. Die neue Station zeigt besondere Bezugspunkte zum Ausstellungsthema. Für die Sondersammlung seltener Altdrucke nutzt die Öffentliche Woiwodschaftsbibliothek seit 1965 das Schloss Rogau. Das Schloss lag exponiert über der Oder, bis diese begradigt wurde. Der biologisch wertvolle Altoderarm führt heute nur noch gelegentlich Wasser. Das Schloss in Renaissanceformen entstand um 1600. Zuletzt wurde vor 100 Jahren ein mehrstöckiges Gästehaus für die Gäste des Schlosses in Krappitz im Stil der Neorenaissance errichtet. 

Ab 1765 gehörte das Rittergut Rogau mit 1.190 ha. zur Haugwitzschen Majoratsherrschaft Krappitz, die 1742 gebildet worden war. Sie umfasste fünf Güter mit 2.400 Hektar. Die Verwaltung geschah von Krappitz aus. In der mährisch-schlesischen Grenzlage gehörte das Geschlecht der Haugwitz zum begüterten Landadel. Eine wichtige Persönlichkeit war Christian Kurt Graf von Haugwitz, geboren auf dem väterlichen Gut Peucke bei Oels. Seine Reise, die er 23jährig in die Schweiz unternahm, begleitete zeitweilig der Dichter J.W. von Goethe. Erster standesgemäßer Höhepunkt seiner Karriere war 1791 die Leitung des ritterschaftlichen Kreditinstituts für Schlesien. Im nächsten Jahr ging Haugwitz als preußischer Gesandter nach Wien. Man hielt viel von ihm: 1792 wurde er in Berlin für die gesamte Außenpolitik als Kabinettsminister zuständig. Den Abschluss des Separatfriedens mit Frankreich in Basel 1795 bekam er mit Landbesitz im Wert von 200.000 Thalern belohnt. Nicht viel bewirken konnte er gegenüber Napoleon und auch bei den preußischen Reformen trat er nicht hervor. Seit Wirken beurteilt die Geschichtsschreibung darum negativ. Nachdem er Ende 1806 in den Ruhestand geschickt wurde, lebte es zuerst auf seinen schlesischen Gütern. Ab 1820 erkor er die Besitzungen im österreichischen Oberitalien zum Lebensmittelpunkt. Nur formell war Graf Christian ab 1811 der Kurator neuen preußischen Universität Breslau. Bis 1945 besaß die gräfliche Linie der Haugwitz das Stadt- und Landgut Krappitz.

Schlesiens vielfältige Adelslandschaft ist über mehrere Jahrhunderte entstanden. Schlesiens Größe, seine habsburgische und preußische Einbindung sowie die konfessionellen Verhältnisse boten dafür besondere Voraussetzungen. Wie viele Schlösser und Herrenhäuser in Schlesien bestanden, ist nicht genau bekannt. Um die Tausend lassen sich aufzählen. Häufig gründeten sie auf mittelalterlichen Wehranlagen. Der industriebesitzende oberschlesische Adel konnte es sich im 19. Jahrhundert leisten, diese Bauten in prächtige residenzähnliche Schlösser umzuwandeln. Sein plötzlicher Reichtum beruhte auf Zink- und Eisenerz sowie insbesondere der Förderung von Steinkohle. Gravierende Auswirkungen für den schlesischen Adel hatte der Erste Weltkrieg. Die neuen sozialen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Deutschen Reich, in Polen und in der Tschechoslowakei betrafen den Adel existenziell. Die standesgebundenen Privilegien des Adels entfielen. Das eigentliche Ende der schlesischen Adelswelt kam durch den Zweiten Weltkrieg. Die meisten Schlösser und Besitztümer wurden zerstört. Für die Flüchtlinge und Vertriebenen bedeutete dies unterschiedslos, im Westen ohne wirtschaftliche Grundlage neu beginnen zu müssen.

Flyer zur Ausstellung „Zamkowe Opowieści. Szlachta na Śląsku”

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Weitere Stationen 2014: 

  • 6.2. bis 17.4.2014 in München, Haus des Deutschen Ostens
  • 4.5. bis 5.10.2014 in Crimmitschau/Sachsen, Deutsches Landwirtschaftsmuseum, Schloss Blankenhain
  • April bis September 2014 in Rauden/OS, Bildungszentrum der Diözese Gleiwitz im ehemaligen Kloster Rauden

Kommende Veranstaltungen

Neanderland Museumsnacht
am Freitag, 29. September ab 18 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Lesung: Verena Lugert - Die Irren mit dem Messer
Eine Veranstaltung des Kulturkreises Hösel
am Mittwoch, 11. Oktober um 19 Uhr
Ort: Stiftung Haus Oberschlesien

Sonntagskonzert Ensemble Corrélatif
Eine Veranstaltung des Kulturkreises Hösel
am Sonntag, 15. Oktober um 17 Uhr
Ort: Stiftung Haus Oberschlesien

Kontakt

Anschrift:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 62
40883 Ratingen (Hösel)

Telefon:
+49(0)2102-9650

Email:
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