Glanzbilder

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Geschrieben von Wahlsdorf
16. August 2019
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Stammbuchbilder, Oblaten, Vielliebchen, Philippchen, Kleebilder oder Albumbilder sind nur einige Bezeichnungen für die bunten, beinahe kitschigen Glanzbilder.
Zusammen mit Sprüchen wie

„Rosen, Tulpen, Nelken,
alle drei verwelken,
Stahl und Eisen bricht,
aber unsere Freundschaft nicht“

wurden sie ins Poesiealbum von Freunden oder Familienmitgliedern geklebt. Glanzbilder verzierten auch diverse Briefe, eingepackte Süßigkeiten, Schultüten oder aber auch den Weihnachtsbaum, um sie ganz nach eigenem Geschmack zu verschönern.


baby mit puppewebAnfang des 19. Jahrhunderts begann die Fertigung der ersten Glanzbilder, zunächst noch handgefertigt und schwarz-weiß. Zu einem richtigen Boom kam es zwischen 1865 und 1870, als die Glanzbilder mit chromolithografischen Druckerpressen in großen Stückzahlen produziert und dadurch auch kostengünstig erworben werden konnten. Nach dem Druck wurden sie teilweise ausgestanzt, bekamen eine Prägung oder wurden noch mit Glasstaub versehen – diese Glitzerbilder waren besonders beliebt. Nicht nur in Deutschland wurden diese Bilder hergestellt, sondern u.a. auch in England, Frankreich und den USA. Heutzutage existieren nur zwei Firmen, die Papierwarenfabrik Ernst Freihoff in Coesfeld und die britische Firma Mamelok Press Ltd.
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Von Engeln, Märchenfiguren, Tieren über diverse Blumen wie Rosen und Nelken bis hin zu Autos oder Schiffen, die Spannweite der Motive ist riesig. Auch heute sind Glanzbilder, einzeln, in Bögen oder in Poesiealben, bei vielen als Sammel- oder Tauschobjekt beliebt.

Die ausgestellten Glanzbilder stammen aus der Sammlung des Ruhr Museums, Essen

"Ich habe einen Freund im Lenin-Land"

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Geschrieben von Gucia
23. Mai 2019
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Zur Zeit der Volksrepublik Polen lernten die Schülerinnen und Schüler Russisch als Fremdsprache in der Schule – im Schuljahr 1949/50 lernten bereits 60 % der Schülerinnen und Schüler Russisch, ab 1953 alle. Der Religionsunterricht verschwand allmählich aus dem Lehrplan. Seit 1952 fand eine intensive Säkularisierung statt, 1953 gab es in 60 % der Schulen keinen Religionsunterricht mehr, 1955 in 81 %.
In der Sonderausstellung zeigt das OSLM zwei Aufsätze von Grundschulkindern aus der Zeit der Volksrepublik, in denen diese über ihre Brieffreundschaften mit Kindern aus der Sowjetunion berichten. Diese Aufsätze waren eine Schulaufgabe, die einige Schülerinnen und Schüler mit „Auszeichnung“ erledigt haben. Als „Objekt des Monats“ stellen wir weitere Aufsätze mit Übersetzungen kurzer Passagen vor.

So berichten die Kinder zum Beispiel über ihre Brieffreunde aus Baku und Kuibyschew. Sie bewundern die Schönheit der Städte mit ihren großen Bauten und blühenden Parks und die weiten Landschaften. Sie loben die Errungenschaften der sozialistischen Staaten in Industrie und Wissenschaft und bezeichnen Lenin als großen Bild klRevolutionsführer. Die Aufsätze verdeutlichen die frühe Indoktrination mit der politischen Ideologie der Sowjetunion. Aber in ihnen spiegelt sich auch die Freundschaft zwischen den Kindern wider. Die Brieffreunde wünschen sich sehnlichst, einander besuchen und ihre Heimat zeigen zu können. Einige Kinder trafen sich sogar persönlich im Rahmen von organisierten Jugendtreffen oder in den Ferien. Die Kinder tauschten auch Postkarten, Fotos, Briefmarken und selbstgemalte Bilder aus und schrieben einander über gemeinsame Interessen, ihren Alltag und Hobbies. 

Die Aufsätze sind Leihgaben aus dem Historischen Museum Kattowitz (Muzeum Historii Katowic).

Der Dreidel

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Geschrieben von Wahlsdorf
05. Dezember 2018
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In unserer Ausstellung „Schaukelpferd und Zinnsoldaten. Kindheit und Jugend in Schlesien“ zeigen wir zwei Dreidel unter vielen weiteren Spielzeugen. Der Dreidel (hebräisch Sevivon, jiddisch Trendl) ist ein Kreisel mit vier Seiten, die jeweils mit einem Buchstaben des hebräischen Alphabets bedruckt sind:

נ (Nun), ג (Gimel), ה (He), ש (Schin). In der Diaspora sind es die Anfangsbuchstaben für den Satz:

נס גדול היה שם – Nes gadol haja scham: „Ein großes Wunder geschah dort.“ 

In Israel wird der Buchstabe Schin durch ein פ (Pe) ersetzt, so heißt der Satz:
נס גדול היה פה – Nes gadol haja po: „Ein großes Wunder geschah hier.“DSC 0004b

Gemeint ist das „Lichtwunder“, das während des Chanukka-Fests gefeiert wird. 164 v. Chr. befreiten sich die Makkabäer erfolgreich von der Herrschaft der Seleukiden. Die Besatzer hatten den Tempel in Jerusalem geplündert, entweiht und das Licht der Menora (des siebenarmigen Leuchters) gelöscht. Ein besonderer Frevel, denn ihr Licht steht für die Anwesenheit Gottes und darf niemals erlöschen. Bei der Neuweihung des Tempels war es insofern essentiell die Menora wieder zu entzünden. Der Legende nach hatten die Griechen einen winzigen Krug mit Öl übersehen, der die Menora wie durch ein Wunder acht Tage lang zum Leuchten brachte – genauso lange wie man zur Herstellung neuen Öls benötigte.

Während der seleukidischen Besatzung war außerdem das Studium der Thora verboten. Eine weitere Legende besagt, dass in diesem Zusammenhang der Dreidel entstanden ist. Mit seiner Hilfe sollte man aus der Thora lernen. Näherte sich eine seleukidische Patrouille, konnte man vorgeben sich einer harmlosen Freizeitbeschäftigung zu widmen. Tatsächlich ist der Dreidel wesentlich jünger und beruht auf einem Kinderspiel aus dem 16. Jahrhundert. 

In Oberschlesien bestanden jüdische Gemeinden seit dem 13. Jahrhundert, die besonders in den größeren Städten eine lebendige Kultur pflegten. Vor allem seit dem Fall des Kommunismus erlebte das kulturelle, soziale und religiöse Leben der Juden in Schlesien eine Wiederbelebung.

Sticken und Klöppeln

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Geschrieben von Wahlsdorf
31. Oktober 2018
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klppeln 1 webDiesen Monaten stehen zwei Handarbeitstechniken bei uns im Mittelpunkt: Sticken und Klöppeln. Denn die eigene Kleidung nähen oder ausbessern, Taschentücher mit den Initialen besticken oder auch Socken stricken und flicken – all dies musste ein Mädchen im 19. Jahrhundert können. Dabei war es egal, ob das Mädchen aus einer wohlhabenden oder einer bäuerlichen Familie stammte. Reichere Familien konnten sich eine Erzieherin, Gouvernante oder den Besuch einer höheren Mädchenschule für ihre Tochter leisten, wo die die diversen Techniken beigebracht bekam. In ärmeren Familien zeigten die Mutter, Großmutter oder andere Verwandte den Mädchen Nähen, Stricken und andere Handarbeiten, die im Alltag wichtig waren.sticken 1 web

Unser Objekt des Monats sind diverse Stickarbeitsübungen von Irena Nowosielska (geb. 1907), mit denen sie um 1920 Sticken lernte. Übungsmuster waren unter anderem ein Kreuz oder eine Krone. Zusätzlich zeigen wir ein Klöppelkissen samt Klöppel und Klöppelbrief. Mit diesen Utensilien wurde Spitze hergestellt. Besonders im 17. und 18. war die Klöppelei äußerst beliebt. Anfang des 19. Jahrhundert konnte mit der Bobinetmaschine gemusterte Spitze auch maschinell hergestellt werden. Das traditionelle Handwerk wurde immer mehr verdrängt.

Peitsche

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Geschrieben von Wahlsdorf
28. August 2018
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peitsche kl"Immer schön Bitte und Danke sagen". Mütter, Väter, Großväter oder Großmütter sagen diesen Satz häufig zu ihren Kindern. Sie legen Wert auf die richtige Körperhaltung oder die Bereitschaft, Menschen zu helfen. Es wird versucht ihnen Werte zu vermitteln und sie auf das Erwachsenenleben vorzubereiten.

Seit dem 19. Jahrhundert wurden Kinder immer mehr als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen und dementsprechend mehr Wert auf die Erziehung gelegt. Allerdings waren die Rollen früher strenger aufgeteilt. Meistens waren die Mutter, die große Schwester oder die Großmutter für die Erziehung der Kinder zuständig. Der Vater hingegen war für den Unterhalt der Familie verantwortlich und hatte am Ende des Tages das letzte Wort. Auf der anderen Seite halfen die Töchter der Mutter beim Kochen, Putzen und eben bei der Erziehung der Geschwister. Die Söhne halfen häufig schon früh dem Vater, wurden bei der Feldarbeit eingesetzt oder mussten sogar zum Lebensunterhalt der Familie beitragen, indem sie bspw. in Bergwerken arbeiteten.
Gehorchte das Kind und half im Haushalt mit, so wurde es gelobt und vielleicht sogar mit einem Groschen belohnt, der besonders gerne für Süßigkeiten ausgegeben wurde. Hat sich das Kind aber falsch benommen, so wurde es bestraft oder sogar körperlich gezüchtigt. Dies beschränkte sich nicht nur auf das häusliche Umfeld. Auch in der Schule wurden die Kinder bei Fehlverhalten z.B. mit einem Rohrstock, geschlagen.

Solche Peitschen, wie hier abgebildet, wurden häufig genutzt, um Kinder zu schlagen. Die Peitsche besteht aus einem Holzstiel und mehreren Riemen, die möglicherweise aus Restlederabfällen hergestellt wurden. Sie sollte Zucht und Ordnung symbolisieren und wurde immer dann eingesetzt, wenn sich das Kind falsch verhielt oder den Eltern nicht gehorchte. Oft hing sie in der Küche und diente bereits als Warnung. Mit der Peitsche wurde meistens auf das Gesäß des Kindes geschlagen. Die körperliche Züchtigung der Kinder hinterließ nicht nur körperliche Verletzungen. Auch heute leiden noch einige Erwachsene unter dieser schmerzhaften Vergangenheit. Heutzutage würde etwa in Polen oder Deutschland so ein Verhalten der Eltern strafrechtliche Folgen haben, da es verboten ist, Gewalt auf das eigene Kind auszuüben.

Kommende Veranstaltungen

Ausstellungseröffnung "Im Fluss der Zeit. Jüdisches Leben an der Oder"
am Sonntag, dem 15. Dezember 2019 (3. Advent), um 14 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

am Sonntag, dem 19. Januar 2020, um 15 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Kontakt

Anschrift:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 62
40883 Ratingen (Hösel)

Telefon:
+49(0)2102-9650

Email:
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