Sonderausstellung "Polen oder Deutschland? Oberschlesien am Scheideweg"

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Written by Perlt
04 July 2021
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Polen oder Deutschland? Oberschlesien am Scheideweg
Zum 100. Jahrestag der Volksabstimmung in Oberschlesien
20. März bis 31. Dezember 2021

Nach dem ersten Weltkrieg brach die altbekannte Ordnung Europas zusammen. Die Revolution fegte die Monarchien hinweg. Auf den Trümmern der Imperien der Habsburger, der Hohenzollern und der Romanows begannen neue, auf nationalen Ideen basierende Staaten zu entstehen, die nach ethnischer Homogenität strebten. Dort, wo die Bevölkerung ethnisch heterogen zusammengesetzt war, kam es zu regionalen Konflikten um Land, staatliche Zugehörigkeit und nationale Identität.

Der Hauptschauplatz dieser Ereignisse war Mittel- und Ostmitteleuropa. Auch die Polen in den preußischen Ostprovinzen forderten den Anschluss ihrer Heimatgebiete an den gerade entstandenen polnischen Staat. Weitere bewaffnete Konfrontationen schienen unvermeidlich und sollten durch Volksabstimmungen verhindert werden. Der am 28. Juni 1919 unterzeichnete Versailler Friedensvertrag, der auf dem Grundsatz der Selbstbestimmung der Völker beruhte, wurde zum Fundament der zu schaffenden neuen Ordnung in Europa.

So standen die Bewohner Oberschlesiens vor einem Dilemma: „Polen oder Deutschland?“ Vor diese Entscheidung gestellt, stimmten am 20. März 1921 knapp 60 Prozent der Wähler für den Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland und 40 Prozent votierten für eine Abtretung an Polen. Die Abstimmung wurde von mehreren Aufständen begleitet. Ein von Wojciech Korfanty angeführter Aufstand im Mai 1921 sollte die vollständige Angliederung an Polen durchsetzen, vermochte die Teilung Oberschlesiens im Juni 1922 aber nicht zu verhindern. Auf Beschluss der Pariser Botschafterkonferenz wurde Oberschlesien geteilt. 29 Prozent des Landes mit dem größten Teil des oberschlesischen Industriegebiets fiel an Polen. Die Teilung Oberschlesiens hatte weitreichende Folgen. Die Grenze durchschnitt eine jahrhundertelang gewachsene multiethnische, multikulturelle und mehrsprachige Region.

Am 20. März 2021 jährt sich die Volksabstimmung in Oberschlesien zum 100. Mal. Das Oberschlesische Landesmuseum widmet diesem wichtigen historischen Ereignis eine eigene Sonderausstellung. Sie erzählt von den Vorbereitungen, dem Verlauf und den Folgen der Volksabstimmung und präsentiert erstmals in dieser Zusammenstellung Exponate aus mehreren Museen in Polen, die durch Objekte aus der Sammlung des Oberschlesischen Landesmuseums ergänzt werden. Zu sehen sind Fahnen, Abzeichen, Waffen, Dokumente zur Abstimmung, Ausweise, Orden, eine Wahlurne sowie historische Fotografien und vieles mehr.

Die Ausstellung schärft zugleich den Blick auf die heutige Zeit. Die polnisch-deutsche Auseinandersetzung um Oberschlesien von vor hundert Jahren ist ein exemplarisches Beispiel dafür, zu welchen tragischen Konsequenzen ethnisch-nationale Konflikte führen können. Denn ein mit der ethnisch-nationalen Frage verbundenes Gewaltpotential besteht nach wie vor, wie der blutige Bürgerkrieg im zerfallenden Jugoslawien in den 1990er Jahren oder – in jüngster Zeit – die Konflikte in der Ostukraine und um die Region Berg-Karabach zeigen. Die Beschäftigung mit diesem historischen Ereignis mahnt uns bis heute, zwischenstaatlichen Interessenausgleich, Minderheitenschutz und den respektvollen Umgang der Völker Europas ernst zu nehmen.

Unsere digitale Ausstellungseröffnung vom 20. März 2021 können Sie sich auch nachträglich noch auf unserem YouTube-Kanal anschauen. 

Bildungs- und Vermittlungsprogramm

regelmäßige Sonderführungen 

Wir führen Sie an jedem 3. Sonntag im Monat um 15 Uhr durch die Sonderausstellung. Da die Plätze begrenzt sind, melden Sie sich bei Interesse bitte unter This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. oder 02102/956-202 an! 

Führungsgebühr: 2 EUR zzgl. Eintritt

die nächsten Termine:

Sonntag, 18. Juli 2021, um 15:00 Uhr

Sonntag, 15. August 2021, um 15:00 Uhr

Sonntag, 19. September 2021, um 15:00 Uhr

Sonntag, 17. Oktober 2021, um 15:00 Uhr

Sonntag, 21. November 2021, um 15:00 Uhr

Sonntag, 19. Dezember 2021, um 15:00 Uhr


Vorträge

Vortrag am Mittwoch, 1. September 2021, um 18:30 Uhr im Rahmen von Podium Silesia

Dr. Sebastian Rosenbaum zum Thema: Zwischen Berlin, Rom und Kattowitz. Die deutschen Katholiken in Polnisch-Oberschlesien 1922–1939


Tagung

Am 11. & 12. Juni 2021 fand in der Stiftung Haus Oberschlesien eine international besetzte wissenschaftliche Tagung zum Plebiszit in Oberschlesien statt. Hier finden Sie die Tagung als Nachschau auf unserem YouTube-Kanal.

Bildungsfilm

35-minütiger Bildungsfilm „Ein europäischer Konflikt. Der Abstimmungskampf um Oberschlesien 1921“ – eine Co-Produktion des Kulturreferenten für Oberschlesien, der Landeszentrale für Politische Bildung Nordrhein-Westfalen, der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, dem Oberschlesischen Landesmuseum und der Arche-Noah Filmproduktion 

Des Weiteren erscheint ein ausstellungsbegleitender Katalog.

Sonderausstellung „Bewegte Leben. Oberschlesische Persönlichkeiten“

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Written by Perlt
04 July 2021
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Bewegte Leben. Oberschlesische Persönlichkeiten

Sonderausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen
3. Juli 2021 bis 20. Februar 2022

Von A wie AlderBewegte Leben 1911 NIVEA D 1911 DOSE web bis Z wie Zwirner – das „Who is Who“ der oberschlesischen Persönlichkeiten wartet mit bekannten und weniger bekannten Namen auf. Oder wussten Sie, dass Oscar Toplowitz der Erfinder der Nivea Creme war, Maria Goeppert-Meyer das Schalenmodell des Atomkerns einführte und dass wir die Vollendung des Kölner Doms Ernst Friedrich Zwirner zu verdanken haben? Ob Joseph von Eichendorff, Bernhard Grzimek, Janosch, Wojciech Korfanty, Käthe Kruse, Lukas Podolski oder Otto Stern – sie und viele andere oberschlesische Persönlichkeiten haben durch ihr Wirken nachhaltige Spuren in Wissenschaft und Kunst, in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hinterlassen. Diese Spuren können unübersehbar sein – oder nur unter dem Mikroskop sichtbar. Aber in der einen oder anderen Weise prägen sie unsere Welt bis heute.

Die neue Sonderausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums erzählt vielfältige Lebensgeschichten aus drei Jahrhunderten und erinnert daran, wie die vorgestellten Oberschlesier durch ihr Leben und Werk auch unser kollektives Gedächtnis (mit)geprägt haben.

JosefvEichendorff Wachsbild webViele von ihnen haben im Verlaufe ihres Lebens ihre oberschlesische Heimat verlassen und anderswo den Neuanfang gesucht. Dieser Aufbruch konnte mehr oder weniger freiwillig sein, etwa als Arbeitsmigration oder Ausdruck von Unternehmergeist, oder ganz und gar erzwungen erfolgen wie etwa die Emigration jüdischer Oberschlesier während des „Dritten Reiches“.

In der Ausstellung stellen wir Ihnen rund 30 oberschlesische Persönlichkeiten (sowie einige aus Niederschlesien) aus Wissenschaft und Technik, Literatur und Kunst, Wirtschaft und Politik vor. „Bewegte Leben“ präsentiert spannende Lebensgeschichten, Wege und Lebenswerke, von denen wir heute mehr denn je lernen können.

Als Begleitprogramm gibt es monatlich stattfindende Vorträge zu einzelnen Persönlichkeiten, pädagogische Angebote für Kinder und Schulen sowie öffentliche Sonntagsführungen. Aktuelle Hinweise zu Führungen und Vorträgen finden Sie auf unserer Homepage und auf unseren Social-Media-Kanälen.

Begleitprogramm


Donnerstag, den 15. Juli 2021, 18:30 Uhr – Lesung und Filmvorführung Willy Fritsch
Die Autorin Heike Goldbach (Berlin) liest aus ihrer Willy Fritsch-Biographie. Im Anschluss zeigen wir den Film-Klassiker „Die Drei von der Tankstelle“ (1930) mit Willy Fritsch, Lilian Harvey, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann.


Donnerstag, den 19. August 2021, 18:30 Uhr – Vortrag Otto Stern
Prof. Horst Schmidt-Böcking (Frankfurt) über Leben und Bedeutung des Physik-Nobelpreisträgers Otto Stern.


Freitag, den 24. September 2021, 19:30 Uhr – Vortrag Käthe Kruse
Im Rahmen der neanderland MUSEUMSNACHT spricht Thomas Heitele, Leiter des Käthe-Kruse-Puppen-Museum Donauwörth, über Leben und Werk der Unternehmerin und Puppenmacherin Käthe Kruse.


Oktober 2021 – Exkursion nach Köln
Auf Spurensuche von (Kurt) Alder bis (Ernst-Friedrich) Zwirner in der Domstadt am Rhein. Termin und Programm werden auf unserer Homepage noch bekanntgegeben.


Mittwoch, den 10. November 2021, 18:30 Uhr – Lesung Janosch
Klaus-Peter Lorenz (Baunatal-Guntershausen) liest aus Janoschs Roman: „Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm“


Dienstag, den 7. Dezember 2021, 18:30 Uhr – Vortrag und Filmvorführung Horst Bienek

Prof. Daniel Pietrek (Oppeln) hält einen kurzen Einführungsvortrag zu Horst Bieneks Kindheit. Anschließend zeigt die Publizistin, Filmemacherin und Fotografin Vera Botterbusch ihren Film „Jede Straße führt in die Kindheit – Der Schriftsteller Horst Bienek“.

 

Öffentliche Sonntagsführungen

Wir führen Sie an jedem 1. Sonntag im Monat um 15 Uhr durch die Sonderausstellung. Da die Plätze begrenzt sind, melden Sie sich bei Interesse bitte an unter 02102/965-202 oder unter  This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. .

Führungsgebühr: 2 EUR zzgl. Eintritt

Führungstermine: 

Sonntag, 4. Juli 2021, um 15 Uhr

Sonntag, 1. August 2021, um 15 Uhr

Sonntag, 5. September 2021, um 15 Uhr

Sonntag, 3. Oktober 2021, um 15 Uhr

Sonntag, 7. November 2021, um 15 Uhr

Sonntag, 5. Dezember 2021, um 15 Uhr

Museumsshop

Unser Museumsshop hält eine Auswahl biografischer Publikationen zu den vorgestellten Persönlichkeiten für Sie bereit.



Permanent Exhibition

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01 March 2012
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dauerausstellungThe permanent exhibition focuses on culture and history of Upper-Silesia. The three main topics are:

"Upper-Silesia before Industrialization"

"Upper-Silesia and Industry"

"Upper-Silesia in the 20th Century Politics"

The first part of the exhibition is about culture and history of Upper-Silesia before industrialisation. The central point is the German legal settlement since the 13th century which influenced towns as well as rural areas. It was authorized by the Silesian Piasts, a collateral branch of the Polish royal dynasty. Later they allied with the kingdom of Bohemia. As a result, Upper-Silesia became a member of the Holy Roman Empire of German Nation since the middle of 14th century. The House of Habsburg inherited Bohemia. In the 18th century, the Prussian king Friedrich II conquered the largest part of Silesia. Only a small part of Upper-Silesia stayed in possession of Austria.

The second part of the permanent exhibition deals with industrial history of Upper-Silesia, especially with mining as well as extractive metallurgy and metal working. In this context parallels may be drawn to the Ruhr area. The most important industrial managers are introduced – at first the aristocracy as a special characteristic of Upper-Silesian industry – then the Prussian state, civil entrepreneurs and increasingly stock corporations. Historical industrial pictures show how mining and industry developed and how they were perceived. The importance of the railway as a means of transport to the markets and as employer for the industry becomes apparent. Agriculture and its connection to the industry are also depicted followed by impressions of the field of work with links to social problems. Every day life in the Upper Silesian industrial area is represented by typical objects, giving an insight in the deep sense of peoples’ devoutness, as well as topics like family life, school, clubs and sociability.

The third section of the permanent exhibition is about Upper-Silesia caught between the international politics: as a bone of contention between Germany and Poland, as a scene of the German invasion in Poland and the unleashing of World War II and as a place of Nazi crimes in Auschwitz. During that time, the province of Upper Silesia was extended by annexation. The disaster of National Socialism ultimately resulted in flight, expulsion and evacuation of many inhabitants. Personal documents give an insight into historical events and their influence on peoples’ fates. The exhibition ends with a forecast, hopefully expecting a peaceful co-existence of Poles and Germans, who remained in Upper-Silesia as a visible sign of Europe's coming together.

The new basement exhibition is related in detail to the history of mining in Upper Silesia. The visitor can see a recreated mining tunnel section with a coal wagon, a rail section, as well as exhibits illustrative of the mining, the daily routine and miners’ culture and customs in Upper Silesia.

Worth mentioning are also beautiful examples of typical Upper Silesia coal carvings. The "black gold" is compared to the "white gold". These are important objects from the museum’s faience and porcelain collection. The production of faience, which is distinguished by its dark shards of pottery from the white porcelain, is conveyed descriptively. There are also objects from the Krister porcelain manufactory in Waldenburg, the Königszelt porcelain factory as well as use and luxury items made in the Tillowitz porcelain manufactory.

The permanent exhibition allows systematic and comparative access – for example in the museum's pedagogic program – with topics like "migration", "home", "ethnic cleansing", "foreigners" and "comparative industrial history".

Contact Us

Address:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 71
40883 Ratingen (Hösel)

Phone:
+49(0)2102-965-0

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