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ab November: Grenzgänger. Alltag in einem geteilten Land - Oberschlesisches Landesmuseum

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ab November: Grenzgänger. Alltag in einem geteilten Land

Eröffnung am 13. November 2022.

 

Ausstellung zur deutsch-polnischen Grenze in Oberschlesien 1922–1939.

13.11.2022 bis 30.9.2023

 

Der Fall Oberschlesien – die Teilung 1922

Die Ausstellung knüpft thematisch an die zuletzt gezeigte Ausstellung zur Volksabstimmung in Oberschlesien an. Die Teilung folgte fast unmittelbar auf die Volksabstimmung – obwohl bei dieser rund 60 Prozent der Wahlberechtigten für Deutschland gestimmt hatten.

Obwohl nach dem Ende des Ersten Weltkrieges mehrere Landstriche durch neue Staatsgrenzen geteilt wurden, war Oberschlesien in vielerlei Hinsicht ein besonderer Fall. Zum einen war diese damals ostdeutsche Region die bevölkerungsreichste von allen, in denen im Gefolge der Verträge von Versailles und St. Germain Volksabstimmungen durchgeführt wurden. Zum anderen handelte es sich dabei um eines der wichtigsten Industriegebiete Europas. Eine Besonderheit bestand zudem darin, dass die 1922 gezogene deutsch-polnische Grenze künstlich war und einen derart großen Kompromiss darstellte, dass sie weder die tatsächliche ethnische noch die sprachliche Situation in der Region widerspiegelte oder widerspiegeln konnte

Grenze im Ballungsraum

Hervorzuheben ist ferner der Umstand, dass die Grenze einen zusammengewachsenen Ballungsraum, darunter das Kohlerevier, zerschnitt. Somit sind gewisse Parallelen zur Teilung Berlins 1961–1989 gegeben. Daher kann man hier zumindest in Bezug auf einige Abschnitte von einer „Grenze in der Stadt“ sprechen. Wenn es den 1920er und 1930er Jahren das Internet gegeben hätte, wären Fotografien aus Oberschlesien wohl ein Hit des Netzes gewesen. Denn es gab damals wohl keine zweite Region in der Welt, in der man eine Staatsgrenze mit der Straßenbahn oder unter Tage übertreten konnte, oder wo ein Werkstor als Grenzübergang fungierte.

Eine autonome Region

Abgesehen von internationalen Regelungen genoss der polnische Teil der Region von 1922 bis 1939 auch innerhalb des Landes einen Sonderstatus. Er war nämlich die einzige autonome Woiwodschaft Polens, die mit dem Schlesischen Sejm nicht nur ein eigenes Regionalparlament, sondern unter anderem auch ein eigenes Finanz- und Bildungswesen sowie eigene Polizeikräfte hatte.

Pionierregelung

Das geteilte Oberschlesien fungierte überdies in der Zwischenkriegszeit als eine Art Testlabor für Minderheitenrechte. Denn Deutschland und Polen schlossen noch 1922 unter Vermittlung des Völkerbundes die sogenannte Genfer Konvention ab. Diese regelte für die Dauer von 15 Jahren nicht nur viele politische, ökonomische und soziale Fragen, sondern enthielt auch Bestimmungen zum Schutz nationaler Minderheiten.

Die 17 Jahre dauernde Periode, in der ein deutsches und ein polnisches Oberschlesien parallel existierten, war nicht zuletzt deswegen eine besondere Zeit in der Geschichte der Region, weil die Oberschlesier sonst nie das Privileg hatten, je nach Wunsch und Gesinnung in Deutschland oder in Polen leben zu können, ohne die Heimat verlassen zu müssen.

Die thematisch angelegte Präsentation wird die Bereiche Soziales und Politik beinhalten, wie etwa Minderheitenrechte und Autonomie, aber auch Architektur und Erinnerungen an den Alltag an der Grenze. Außerdem werden wir zahlreiche Anknüpfungspunkte zur deutschen und europäischen Geschichte herstellen, wie etwa die Teilung Berlins, und Bezüge zur Gegenwart herstellen, wie etwa die Autonomiebewegungen und den Separatismus in Europa.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Kulturreferenten für Oberschlesien Dr. David Skrabania und dem Gleiwitzer Regionalforscher Dawid Smolorz.

 

 Summin/Sumina, polnischer Grenzbahnhof. Die Gleise hinter dem Bahnhof gehörten noch auf einer Länge von etwa einem Kilometer zu Polen und schoben sich wie ein Keil in das deutsche Staatsgebiet.
Foto: Thomas Vossbeck

 

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