Neujahrsempfang und Ausstellungseröffnung: „Das gemalte Staunen. Werke aus der Sammlung Otten“ mit begleitendem Kinder- und Jugendworkshop: Aus Platte wird Kunst – Workshop zum Linolschnitt
Der Neujahrsempfang des Oberschlesischen Landesmuseums bietet Gelegenheit, auf das vergangene Jahr zurückzublicken und einen Ausblick auf die kommenden Vorhaben zu geben. Ein besonderer Programmpunkt ist die Eröffnung der Ausstellung „Das gemalte Staunen. Werke aus der Sammlung Otten“ in Anwesenheit der Sammler.
Während die Erwachsenen am Neujahrsempfang teilnehmen, können Kinder und Jugendliche im Linolschnitt-Workshop ihrer Kreativität freien Lauf lassen und unter fachkundiger Anleitung von Anna Appelhoff die Drucktechnik kennenlernen. Der Linolschnitt eignet sich sehr gut zur Gestaltung individueller Motive. Der Vorteil: Wenn das Ergebnis überzeugt, kann man es immer wieder nachdrucken.
Eine Anmeldung ist nur für den Workshop erforderlich und muss bis einschließlich 29.01.2027 per E-Mail an vermittlung@oslm.de erfolgen.
Mit rund 2.000 Werken, darunter Gemälde, Arbeiten auf Papier und Holzbildhauerei, ist die Sammlung Otten die größte Sammlung autodidaktischer polnischer Kunst – unter anderem aus Oberschlesien – außerhalb Polens. Die Sonderausstellung präsentiert deren konzentrierte Auswahl. Sechs Künstlerpersönlichkeiten bilden den Schwerpunkt: Bronisław Krawczuk, Waldemar Pieczko, Jerzy Sewina, Erwin Sówka, Józef Torka und Paweł Wróbel. Mit ihren Werken zeigen sie unterschiedliche Facetten der Naiven Kunst.
Die ausgestellten Werke erzählen vom Alltag, von Arbeit, Familie, Landschaft und Gemeinschaft. Ihre Motive entstammen dem unmittelbaren Lebensumfeld und richten den Blick auf einfache Menschen und alltägliche Szenen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht außergewöhnliche Ereignisse oder idealisierte Helden, sondern das vermeintlich Banale – oft mit feinem Humor, gelegentlich auch mit leiser Gesellschaftskritik. Die vertretenen Künstler verfügten über keine akademische Kunstausbildung. Einige von ihnen lebten mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen, doch in der Kunst fanden sie eine Form der Selbstermächtigung und des persönlichen Ausdrucks. Unabhängig von kunsttheoretischen Strömungen entwickelten sie eine unverwechselbare Bildsprache und waren über viele Jahre hinweg äußerst produktiv. Charakteristisch ist ihre Treue zu bestimmten Themen, Farben und Kompositionen, wodurch ein klar erkennbarer, individueller Stil entstand.
Die enge Verbundenheit mit Oberschlesien prägt die Werke nachhaltig. Zu den wiederkehrenden Themen gehören der Bergbau, die Heimatorte, festliche Anlässe sowie das Leben der Arbeiterbevölkerung. Dennoch sind die Bilder weit mehr als nur dokumentarische Abbilder ihrer Zeit. Sie bewegen sich im Spannungsfeld zwischen persönlicher Erinnerung und gelebter Wirklichkeit. So stellt die Ausstellung auch die grundlegende Frage: Was genau ist Wirklichkeit? Die Werke zeigen keine Erinnerungen werden verdichtet, Farben intensiviert, Perspektiven verändert und Erlebnisse neu erzählt. Die Werke Pieczkos eröffnen einen Bildraum, in dem Traum, Erinnerung und Wirklichkeit zu einer surrealen Bildsprache verschmelzen. Auch die anderen Künstler greifen auf autobiografische Erfahrungen zurück: Krawczuk reflektiert die verlorene Heimat, Sówka erinnert sich an seine erste Liebe und Torka setzt sich mit historischen Ereignissen auseinander. Die wimmelbildartigen Szenen von Wróbel feiern das lebensbejahende Treiben der oberschlesischen Stadtbevölkerung, während Sewinas minimalistische Linolschnitte das Individuum in den Fokus rücken.
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